Die drei von der Tanzfläche

Filed under: Erlebtes — Smikey @ 09:15

Mir ist da ja gerade was passiert. Im Fahrstuhl. Uiuiui.

Aber langsam, die Geschichte fängt eigentlich viel viel früher an. Nämlich irgendwann im letzten Jahr.

Wir hatten damals, wie auch heute noch, einen Auftritt als Vorgruppe der Rambling Stamps. Im Schlachthof in Eisenach. Es war ein tolles Konzert, die Leute waren toll und die Stimmung gut. Auch in der Band war alles vorzüglich. Aber ich glaube ich war krank. Erkältet. Wenn ich es mir recht überlege, ist es schon komisch, dass ich auch heute wieder erkältet bin. Wink des Schicksals oder so.

Auf jeden Fall stand ich während des Auftritts dort oben auf der Bühne und ging dem nach, für das ich bezahlt werde. In der Gegend rumstehen und auf dem Bass rumklimpern. Nebenbei tat ich natürlich das, wofür man diesen ganzen RockMusikKram eigentlich macht. Ich hielt Ausschau. Nach Frauen.

Und ich entdeckte sie. Drei Grazien hatten sich auf meiner Seite der Tanzfläche versammelt und wippten zur Musik. Scheint ihnen zu gefallen. Auch mir haben sie gefallen. Jedenfalls soweit ich das im Dunkeln und im Nebel erkennen konnte.

Der Auftritt war vorbei und wir tingelten durch die Menschen und grinsten unseren Stolz heraus. Und rauchen wollten wir. Also ich. Zufälligerweise standen wir zu diesem Zeitpunkt gerade in der Nähe meiner ins Auge gefassten Mädels. Also haben wir natürlich dort halt gemacht um eine Kippe zu schnorren. Wir habens uns kurz unterhalten und sind dann weiter gezogen. Meine Feststellung, dass eine von denen direkt in mein Beuteschema gesprungen ist, hat sich gefestigt gehabt. Und irgendwie kam sie mir auch seltsam bekannt vor. Aber der Abend ging vorbei und ich war daheim. Allein.

Mein Kumpel wiederrum scheint dieses entsprecende Mädel wenigstens teilweise gekannt zu haben. Mehr als ich auf jeden Fall. Er erzählte mir im Nachhinein, dass sie auch auf die Berufsakademie geht. Daher kannte ich sie also. Sowas aber auch. Irgendwie kam er auf die Idee, sie anzuschreiben und ihr zu verklickern, dass ich sie ja eigentlich recht schnieke fand.

Na prima. Folgender Dialog entstand: “Du, der Bassist fand dich eigentlich recht schnieke/süß/ansehnlich/whatever…” – “Der Bassist? Der war doch höchstens fünfzehn.”

Fünfzehn. FÜNFZEHN. PFÜÜÜMPFZEEEEEHN!

Ich gebe zu, ich war leicht gekränkt. Wochenlang. Ok, es war dunkel und ich bin klein und so. Aber FÜNFZEHN. Das ging nun wirklich zu weit.

Ein paar Tage später sind wir uns in der Berufsakademie begegnet. Ich wusste ja, dass sie auch dort studiert. Aber sie war nach ihrer Aussage nun leicht verdutzt. Hat geguckt wie nen Auto, das Mädel. Verständlicherweise. Ich hab nur gegrinst und bin weiter gegangen.

Diese ganze Geschichte ist nun über ein Jahr her. Und heute seh ich sie durch zufall mal wieder in meiner unmittelbahren Umgebung. Sie und ein paar Kumpels drängeln sich zu uns in den Fahrstuhl. Na prima. Ich habe sie gleich wiedererkannt und wollte schon kurz mal in den Boden sinken. Aber sie ist einfach zu ansehnlich, um einfach abzuhauen.

Aber sie hat mich nicht erkannt. Jedenfalls hat sie es nicht gezeigt. Mich würde interessieren, ob sie sich an die ganze Geschichte noch erinnert. Wer weiß, vielleicht krieg ich es heute Abend raus.

Achja, ich bin ihr übrigens auch auf den Fuß getreten. Aber nur ganz leicht.

Dunkle Vergangenheit

Filed under: Erlebtes,Musikalisches — Smikey @ 11:13

Die Highfield-Erlebnisse und der Herr Schmidt haben mich mal wieder auf meine vergangene musikalische Unzulänglichkeit hingewiesen. Damals wollte ich gute Musik hören und “durfte” nicht. Aus trotz habe ich einen Abstecher in die Abgründe der PopMusik gemacht.

Ich war jung. Damals irgendwann im Frühjahr 1999. Vor über 10 Jahren also. Ich kannte schon VIVA und MTV und da es damals noch nicht an Niveaumangel zu leiden schien, kam da echt noch Musik. Richtige, echte, teilweise handgemachte Musik. Und sie war gut und ich am Fernseher gefesselt. Ein Lied, welches mich nachhaltig beeindruckte war “Why don’t you get a Job?” von The Offspring. Ich fand das damals großartig und bin heute auch immernoch davon überzeugt, dass es das wirklich war und immernoch ist. Vorallem nach dem grandiosen Konzert auf dem diesjährigen Highfield.

Jedenfalls war ich beeindruckt von dieser Musik. Von Punk hatte ich vorher noch nicht viel gehört und auch meine Liebe zu den Ärzten hatte ich damals noch nicht entdeckt. Ich wollte diese CD. Ich BRAUCHTE diese CD. Das “Americana”-Album sollte mein CD-Regal gnadenlos aufwerten und auf eine neue Ebene des musikalischen Ergusses bringen.

Ich war damals mit meinen Eltern das erste mal in einem MediaMarkt. Himmelhergott, ich war 10 Jahre alt. Da hab ich mich lieber in der LEGO-Abteilung rumgetrieben. Ich habe gesucht und gesucht. Überall. Nach “Americana”. Und es nicht gefunden. Meine Eltern hatten Erbarmen mit mir und wir baten einen der Verläufer um Hilfe, die damals irgendwie noch nicht so unambitioniert wie heute waren. Und er konnte uns helfen. Er kannte das Regal für das Album meiner damaligen Träume.

“Steht bei Punk/Hardcore”. Ui. Ich habe die Gesichtszüge meiner Eltern entgleisen sehen. Keine Chance für mich, sie zu überreden. Musik, die unter “Hardcore” eingeordnet wird, kann nicht gut für einen 10jährigen sein. Nicht, dass sie im Allgemeinen was gegen harte Musik gehabt hätten, aber das ging dann doch zu weit.

Also bin ich ohne das Album wieder nach Hause gekommen. Und es hat mich verfolgt. Dieses Album nicht zu besitzen hat meine musikalische Entwicklung um 3-4 Jahre zurückgeworfen. Gnadenlos. Ich laste das niemandem an, am wenigsten meinen Eltern. Es ist einfach eine Tatsache.

Und jetzt folgt ein Geständnis: Ja, ich habe “No Angels”-CDs gekauft und besitze sie noch. Irgendwo, aber sie sind immer da und verfolgen mich. Und ich war auf einem “No Angels”-Konzert. Und ich fand es gut. Es tut mir leid.

Nach meinem Umzug ins Exil 2002 hat sich das ganze zum Glück wieder ändern lassen. Durch meinen Stiefbruder, meinen Vater und Freunde kam ich wieder auf den richtigen, den harten und ehrlichen Weg der Musik. Und nun, 10 Jahre nach dem einschneidenden Erlebnis im Plattenladen habe ich “The Offspring” das erste Mal LIVE und in Farbe gesehen. Auf dem Highfield. Und es war grandios.

Ich bin wieder da. Musikalisch erneuert.