Diese E-Mail ging soeben raus:
Liebes E.ON-Team,
ich schreibe aus dem verschneiten und stromlosen Frauenwald im Thüringer Wald. In den letzten Tagen und Wochen fiel bei uns im Dorf der Strom mit einer Regelmäßigkeit aus, die mir unbegreiflich ist.
Die Heizung funktioniert nicht, das Licht auch nicht und ein warmer Tee oder Glühwein rückt in unerreichbare Ferne. Die, die nicht den ganzen Tag im kalten Haus sitzen, sondern ihrer täglichen Arbeit nachgehen wollen, kommen nicht aus der Garage, da der elektrische Toröffner nicht funktioniert. Die Hotelgäste, die sich an der wundervollen weißbestäubten Landschaft erfreuen, bekommen keine warme Mahlzeit, da auch in den Hotels der Herd mal wieder einmal kalt bleibt. Auch bei einigen produzierenden Betrieben im Ort dreht sich in dieser Zeit kein Rad.
Deutschland ist mittlerweile kein Wintermärchen mehr sondern eher ein Wintermädchen. Chaos wohin man blickt. Und die Gesellschaft droht unter dem Schnee und Eis begraben zu werden. Früher hieß das alles noch “Winter” und nicht “Chaos und Verderben”.
Ich sehe ein, dass die Bäume den Schneemassen nur eine bestimmte Zeit trotzdend gegenüberstehen können, bevor sie endgültig resignieren und zusammenbrechen. Dabei fallen sie nicht nur auf Straßen und Autos, sondern im Normallfall auch mal auf Stromleitungen. Alles das ist nachvollziehbar. Es ist auch verständlich, dass eine Reperatur dieser Leitungen Zeit und Personal in Anspruch nimmt und der Strom durchaus auch mal eine Stunde nicht bis zu unserem Dorf vordringen kann. Mein größter Respekt gilt den tapferen Arbeitern, die, ausgerüstet mit einer ganzen Armada an technischen Hilfsmitteln zur Leitungsinstandsetzung, mit Ski zu den Stellen fahren, die mit Fahrzeugen nicht mehr erreichbar sind.
Aber wäre es nicht viel besser, wenn diese fleißigen Helferlein noch viel mehr Helferlein um sich scharen könnten?
Vielleicht, um solchen Schneebrüchen vorzubeugen, indem die Trassen freigehalten werden.
Vielleicht, um die Ursache nicht erst nach 6 langen Stunden finden und nach 12 Stunden beheben zu können.
Kostet ja alles Geld, werden Sie sagen. Kostet es, keine Frage.
Die Lobbyarbeit für die verlängerten Laufzeiten für Atomkraftwerke kostet auch Geld.
Da muss man dann schon einmal Prioritäten setzen.
Ich kann das alles verstehen. Man muss dann schon einmal Geld einsparen.
Auf Kosten der Kunden. Auch wenn es nur die sind, die in einem kleinen Bergdorf vor sich hin frieren. Immerhin ist die Pflege der Stromtrassen und somit die Aufrechterhaltung der Stromversorgung in den immer weiter steigenden Strompreisen enthalten.
Es hat durchaus seine familienzusammenführenden Vorzüge, mit allen Verwandten um ein Teelicht zu kauern, weil die Heizung nicht mehr funktioniert. Das ist doch das, was man sich unter Weihnachten vorstellt. Mit der Familie zusammen zu sein, wenn eine einzige Kerze den Raum erhellt, da das Licht wieder einmal nicht funktioniert.
Ich wünsche Ihnen trotzdem ein gesegnetes Weihnachtsfest, in denen Sie warmen Glühwein trinkend vor dem Fernseher sitzen können und hoffen, dass die Leute ohne Strom nicht so laut bibbern. Könnte ja die Stimmung zerstören.
Mit stromlosen Grüßen
Eric Kehler
Anmerkung: Diese E-Mail wird zeitgleich mit dem Versand an Sie auf meiner privaten Internetseite http://www.smikey.de veröffentlicht und an die beiden Lokalzeitungen “Thüringer Allgemeine” und “Freies Wort” weitergeleitet.