Retter in der Not

posted by Smikey

Dieses Wochenende war perfekt. Das kann ich schonmal von Anfang an sagen.

Freitag waren die “Rocktigers” bei uns im Festzelt. Guter CoverRock und echt nette Typen. Ich war begeistert. Aber als dann feststand, dass ich die komplette Nacht im Zelt verbringen würde zwecks Zeltwache, war meine Stimmung eher nicht mehr so pralle.

Dafür konnte der Samstag dann in seiner vollen Pracht auftrumpfen. Also so richtig. Mit der vollen Breitseite und so. Aber mal langsam:
Nachdem ich nach der Zeltwache morgens um 9 am Frühstückstisch saß und meine Geschwister mich fragten, wann ich heimgekommen bin, konnte ich natürlich nur mit einem coolen “gerade eben” antworten. Danach war die Konversation für mich vorbei und ich bin im Bett verschwunden. Bis um 5. Ungefähr. Glaube ich.

Dann war wieder schickmachen angesagt, denn der Abend sollte etwas ganz besonderes werden. Also mal abgesehen von dem, was ich nicht geplant hatte.

“Grill’n'Chill” stand auf dem Plan. “Scharf essen und heiß feiern”. Na wenn das nicht perfekt klingt. Speißen, die einem die Tränen in die Augen treiben und dazu gute Musik zum Tanzen.
Ich tanze ja nicht gerne. Also eigentlich. Und uneigentlich auch. Jedenfalls keinen Paartanz im Festzelt und so. Aber es kam anders.

Ich stand gemütlich am Tisch und versorgte meinen Magen und mein Gemüt mit Fleisch und Wodka-O. In Massen. Beides. Und Obstler. Und plötzlich stand sie neben mir. Die kleine Schwester meiner alten Klassenkameradin. Klein, süß und lieb. So wie ich es mag. Ich hatte mir vor einem Jahr mal eine Weile geschrieben, es war dann aber ein wenig abgeflaut. Aber nun stand sie da, grinste mich an, und winkte mich zu sich hinüber.

“Na, kennste mich noch?” – Doofe Frage, dieses Gesicht kann man doch garnicht vergessen. Wir plauderten eine Weile und dann fragte sie, ob ich mal mit ihr tanzen würde. Nunja. Tanzen. Im Festzelt. Nicht so meine Tasse Wurst. Also sagte ich erstmal “Nein” und lies sie ein wenig betteln. Ich bin gemein, ich weiß, aber ich finde es so viel lustiger. Letztendlich sagte ich, dass sie mich gerne in einer Stunde nochmal fragen kann und verschwand in der Menge.

Fünf Minuten später stand sie wieder auf der Matte und fragte, ob die Stunde denn nicht schon rum sei. War sie nicht, aber ich wollte sie nicht nochmal abblitzen lassen. Ich hatte ja genug getrunken, so dass mir die Peinlichkeit des angeblichen Nicht-Tanzen-Könnens reichlich egal war.

Wir tanzten. Wir tanzten gut. Und sie sagte mir das auch mehrmals. Und sie erzählte mir noch ne ganze Menge mehr. Man kann sagen, dass es Spaß machte. Richtig viel Spaß. Ich mein, wer hat keinen Spaß, wenn er mit einem süßen Mädel in einem leichten Rausch (ob mit oder ohne Hilfsmittel) zu Ute Freudenbergs “Jugendliebe” tanzt. Das ist Klischee deluxe.
Irgendwann ist aber auch das längste Lied zu Ende und wir gingen wieder unserer Wege.

Bis sie nach 20min wieder neben mir stand. Mit der Bitte um Rettung. Vor einem Typen, der so betrunken war, dass er wahrscheinlich nicht mal mehr gemerkt hat, dass sie ihn nicht mag. Schmerzresistent und so. Ich sollte nochmal tanzen. Gerne. Hallo? Die ganze Nacht wenn es sein muss.
Also: 2. Tanz mit noch mehr Unterhaltung und vermindertem Körperabstand. Ihr Lächeln war perfekt, auch wenn sie es selbst nicht mag. Sagt sie. Ich sag was anderes.

Später kam ihre große Schwester, meine alte Klassenkameradin, vorbei und bat mich um einen Tanz. “Ich kann ja nicht zulassen, dass du nur mit meiner kleinen Schwester tanzt…”
Aha. Ich könnte das schon zulassen. Aber ich bin ja nett und deswegen tanze ich auch mit ihr. Aber nicht gut. Rythmusgefühl lag wahrscheinlich noch daheim und die Unterhaltung war auch eher dürftig. Allerdings hatte ich auch keinen richtigen Elan. Den hatte ich erst, als ihre kleine Schwester sie wieder abklatschte. Besserer Tanzstil, Rythmus, Lächeln und so. Prima.

Der Abend ging vorbei und ich stand an der Theke. Und wer kommt vorbei um sich zu verabschieden? Genau. Die beiden Schwestern. Die große verabschiedete sich, die kleine verabschiedete sich und fragte nach meiner Telefonnummer. Hey. Wer, wenn nicht sie, sollte diese Nummer kriegen. Ich flüsterte ihr noch eine Nettigkeit ins Ohr und schon verschwanden sie.

Der perfekte Abend.

Gestern war ja dann Valentinstag. Und da ich dieses Mal noch keine Rosen zu verschenken hatte, wünschte ich ihr netterweise per SMS einen schönen Valentinstag, woraus sich eine SMS-Orgie entwickelte. Ich hatte ja Zeit. Ich saß gestern Abend immerhin in der Kneipe zum Abschlussessen für ein gelungenes Wochenende. Und die Kellnerin war die Mutter der beiden Schwestern. Hätte sie gewusst, dass ich nebenbei die ganze Zeit mit ihrer Tochter flirte, wäre sie vielleicht freundlicher gewesen. Oder vielleicht auch nicht. Wer weiß.

Fazit der Unterhaltung: Wir sind uns beide sympathisch, können zusammen tanzen und dass ich Retter in der Not war, als ich sie vor dem betrunkenen Typen beschützte, machte mich zum i-Tüpfelchen ihres Abends.

Klingt prima? War prima.

So. Jetzt wisst ihr, dass ich doch auch Happy Ends schreiben kann. Und auch erleben. Ich bin immernoch total durch den Wind. Ein perfektes Wochenende. Stand ja auch im Horoskop.

2 Responses to “Retter in der Not”

  1. Die Prinzessin! Says:

    Oh wie süß! *breitgrins* Aber nicht, dass du jetzt immer ne Flasche Wodka bei dir hast, damit dass mit den Mädels klappt! ;-)

    btw: Du kannst richtig toll schreiben!

  2. Smikey Says:

    @Prinzessin:
    Nene, so schlimm isses nicht. Nen Flachmann reicht auch ;) Ne, Spaß beiseite, es wäre vielleicht auch alles nüchtern gegangen. Nur der Mut zu tanzen hätte vielleicht gefehlt.

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