Möpse, Moppeds und Musik.
“Was heisst ‘Orgasmus’ auf Sächsisch?” – “Ferdsch!”
So oder so ähnlich begann unsere Motorrad-Familientour am letzten Freitag. Familientour ist natürlich nur eine schöne Umschreibung für uns harte Kerle. Rocker, wie sie im Buche stehen. Noch schlimmer als Hell’s Angels und Bandidos zusammen. Nur kennt uns keiner. Auch gut so.
Aber mal langsam mit den jungen (Stahl)Pferden. Ich hab ja selbst keins. Beziehungsweise, keins, mit dem ich bei den anderen Motorrädern mithalten könnte. Ich brauch also ne Mufte. Was tiefes, böses. Gereicht hats dann für ne neue 800er Intruder von Suzuki. Chopper in klein. Aber völlig ausreichend für mich. Und so neu, dass sie noch keinen Kilometer weg hat. Aber auch kein Benzin. Da drückt mir der Händler erstmal 20 Euro in die Hand und meint, ich soll erstmal volltanken. Habbich.
Irgendwann gehts aber dann los. 6 Motorräder machen sich auf den Weg in Richtung Bad Düben. Großraum Leipzig, ihr wisst schon. Sachsen. 3 Motorräder und ein Begleitfahrzeug kommen später nach. Prima. Also Hahn aufdrehen und vorwärts. Freitag halb zwei. Ihr erinnert euch, was Freitag halb zwei los war? Genau: Podolksi versemmelt nen Elfmeter, Klose lässt sich vom Platz schubbsen und so. Fussball. Für uns hat das den Vorteil, dass die Straßen leer sind, aber den Nachteil, dass wir nix erfahren. Außer unser Harley-Fahrer ganz hinten. Er hat Ohrstöpsel drauf und ich kann ihn manchmal an der Ampel fluchen hören. Lauter als seine Harley blubbert. Und das will was heißen.
Zwischenstopp in der Provinz. Bei McDonalds. Sechs Biker rücken ein. Na die gucken nicht schlecht und wir bringen sie dazu, Teile unserer Bestellung am Tisch aufzunehmen. So wünsch ich mir das. Luxus.
Gegen 6 schlagen wir in Bad Düben auf. Durstig. Natürlich. Also gibts erstmal nen kühles Blondes. Das haben wir uns aber auch verdient. Kurz danach trifft der Rest ein und ich kann endlich ein Foto machen. Schön sieht das aus.
Der Abend verläuft wie geplant mit Bier, Schnapps und viel Essen. Mit Vorspeisen, die auch als 3-Gänge-Menü durchgehen könnten. Wahnsinn.
Der Samstag geh früh los. Frühstück und ab auf die Bikes. Einmal quer durchs Land. Um 16 Uhr ist Termin in Ferropolis. Vorher muss die Gegend noch unsicher gemacht werden. Also vorwärts.
Wir kommen durch idyllische Städte und Dörfer, wo glaubt, dass dort der Krieg womöglich noch nicht vorbei ist. Dafür spricht, dass kleine Kinder am Straßenrand stehen und uns zuwinken, als wären wir die Amerikaner, die die Stadt von den Nazis befreien. Komisches Gefühl, aber irgendwie isses cool. Zurückwinken und hupen. So stell ich mir das vor.
Nächster Stützpunkt: Störmthaler See. Der See, an dem das Highfield-Festival dieses Jahr stattfindet. Mit mir. Unter anderem. Da muss man ja vorher mal vorbeischauen. Ist schon idyllisch mit so einem riesigen Kohlekraftwerk im Hintergrund. A propos Kohle. Ferropolis. Stadt aus Eisen und so. Kennt ihr? Superinteressant. Da kannste Macho sein wie du willst, die baggern mehr. Fetzt.
Was nicht so sehr fetzt, ist die Motorradtruppe, die nach uns auf dem Parkplatz aufschlägt. Viele Motorräder, heiß und die Herren schon im gesetzteren Alter. Bis dahin alles prima. In dem Alter will ich auch noch Mopped fahren. Aber als sie dann farblich abgestimmte Cappies mit Logo aus den Taschen nehmen, ist der Gipfel der Spiessigkeit erreicht. Sowas geht garnicht.
Es geht heimwärts. Abends sollte ja Livemusik sein. Und grillen. Mit Bratwürsten. In Sachsen. Ich bin vorsichtig.
Der Chef der Pension hatte vorher angerufen und gefragt, ob wir was gegen eine Veranstaltung am Samstag Abend hätten, weil wir die einzigen Hausgäste waren. (Ist nicht schwer, wir haben alles ausgebucht) Hey, wir sind doch für neues immer offen. Countrymusik? Aber hallo! Essen nur vom Grill und kein a la Carte? Hey, nuklar!
Als wir in der Pension ankommen ist der Grill schon angeworfen, die ersten Menschen da und das Bier kühlen. Habens getestet. Prima. Der Abend verläuft gut. Mit Steaks, Musik, Chili-Likör und Kräuterschnapps. Im Wechsel. Alles.
Ich setze mich zwischendurch an einen Tisch mit der Dorfjugend. Einfach so. Bin ja offen. Ich unterhalte mich mit einem Mädel und frage irgendwann, wie alt sie ist. “Schätz doch mal…” sagt sie. Schätzen war noch nie mein Ding. “17, ungefähr…” tippe ich. Falsch getippt. 4 Jahre daneben. Ich geh lieber wieder an meinen Tisch.
So geht der Abend rum und am Sonntag Morgen trommelt das harte Wasser ziemlich stark auf dem Kopf herum. Jedes Mal das gleiche irgendwie. Aber man lernt nicht draus.
Mit müden Augen aufs Motorrad und gen Heimat. Schade eigentlich, dass es schon wieder vorbei ist. Aber schön wars. Wie immer. Und das Motorrad hat mich begeistert. Sobald Geld da ist, wird ne Chopper gekauft. Muahahahaa. Weil ichs kann. Als Biker.
Aber was man immer wieder feststellt nach so einem Wochenende: Motorradfahren ist eine Schweinearbeit.
