Am 15., im Regen.

Filed under: Aus eigener Feder — Smikey @ 18:05

“Der ist schön, der gefällt mir…”

Ich schaue mich noch einmal um, dann fällt mein Blick aber doch wieder auf den großen Stein mit der Rose darauf. “Den nehme ich.”, sage ich, als der ältere Mann im pechschwarzen Anzug mich mit großen erwartenden Augen ansieht.

“Kein Problem” erwidert er, “lassen Sie uns alles Weitere in meinem Büro besprechen.”

Büro nennt er das also. Für mich sieht es eher aus wie eine Abstellkammer mit Schreibtisch. Ein Schrank in der Ecke, der aussieht, als hätte er den letzten Krieg nur mit Mühe überstanden. Alt ja, aber nicht antik. Der Rest des Zimmers erstrahlt in einem Nostalgieschein. Als wäre die DDR niemals untergegangen und das hier wäre das Büro eines SED-Funktionärs am unteren Ende der Partei.

Egal. Es geht ums Geschäft. Ich bin nicht umsonst zum billigsten Bestattungsinstitut der ganzen Gegend gegangen. Denen steck ich das Geld nicht in den Hals. Denen nicht. Es sterben immerhin genug Leute. Hier soll sich keiner eine goldene Nase verdienen, nur weil der Lauf der Dinge nicht zu ändern ist. Nicht mit mir.

Er fragt mich nach dem Verstorbenen. Ich überlege kurz und buchstabiere ihm den Namen, den ich mir selbst schon immer nicht merken kann. Etwas verdutzt schaut er mich an und fragt nach dem Tag des Todes. Muss er ja wissen, für die Inschrift und so.

“Nächsten Dienstag.”, sage ich.

Er fragt, ob ich ihn verarschen will. “Ganz und garnicht. Nächsten Dienstag. Das ist doch der 15., oder?”

Er scheint keinen Neukunden zu wollen, denn er schmeisst mich lautstark aus dem Büro. Mit krachender Tür. Ich stehe wieder auf der Straße.

Wird also doch wieder nichts aus dem Selbstmord.