Es ist jetzt über ein Jahr her, dass ich den Artikel über Mixtapes geschrieben habe. Ich habe damals gefragt, ob es noch Menschen gibt, die so etwas tun. Mixtapes machen, so richtig auf Kassette und so. Manche sagten ja, manche sagten nein. Ich habe es auf jeden Fall getan. Und ich finde, es war gut. Achja. Und von dem Artikel auf dragstripgirl habe ich mich überhaupt garnicht inspirieren lassen, diesen Artikel hier zu schreiben. So weit kommts wohl noch.
Ein Mixtape. Das erste Mal darüber nachgedacht habe ich vor einem Jahr, als ich “High Fidelity” gelesen hatte. Ich fand, Mixtapes haben etwas handgemachtes, etwas romantisches. Natürlich wäre es toller, die Lieder selbst zu spielen und aufzunehmen, aber mit meiner Stimme tue ich da weder dem Menschen, der es hört, noch mir wirklich einen Gefallen. Also doch lieber die echten Künstler singen lassen.
Der endgültige Entschluss dazu, endlich so ein Tape zu machen, kam, als ich das Buch “Love is a Mixtape” gelesen habe, also vor ungefähr drei Wochen. Eine ganze Beziehung anhand von aufgenommenen Kassetten erzählt. Wenn das mal nicht Romantik pur ist. Genau. Und ich will das auch. Musik hab ich ja nunmal genug. Auf dem PC, auf CD und auf Vinyl.
Da ich ein MixTAPE machen wollte, brauchte ich natürlich Kassetten, eine tolle Anlage, die diese historischen Medien bespielen kann, hab ich ja noch. Auf GutGlück hab ich mich auf den Weg in einen dieser MarioBarth-Märkte gemacht. Eigentlich wollte ich der Peinlichkeit des Nachfragens entgehen, aber es ging nicht anders. Ich fand einen Azubi, den ich zum Mir-Zur-Seite-Stehen auserkoren hatte. “Heyhey… Sag mal, habt ihr noch leere Kassetten?” – “Du meinst leere Audiokassetten? MCs? Yo, da müssten noch welche da sein, komm mit.” Gesagt getan. Da standen sie. 5 Stück, 5 Euro. Teurer als Rohlinge, aber nungut. Wer das eine will, muss das andere mögen. “Hier, das sollten sie sein. Schau aber selbst nochmal nach, ich hatte sowas seit Jahren nicht mehr in der Hand.” Glaub ich ihm sogar. Ist aber das richtige.
Musik? Check. Rekorder? Check. Tapes? Check. Es kann also losgehen.
Mein Plan war von Anfang an eine englische und eine deutsche Seite. Schön gemütlich getrennt, damit man auch stilmässig richtig variabel sein kann. 45min pro Seite hatte ich Zeit. Müsste reichen für die Top10-11 der ruhigsten, aber tollsten Lieder der Künstler, die ich drauf haben wollte.
1. Seite: deutsch
1. Olli Schulz und der Hund Marie – Nimm mein Mixtape, Babe
Das dieses Lied auf das Tape gehört, erklärt sich ja wohl von selbst. Es ist wichtig, es ist gut und es ist der perfekte Einstieg.
2. Kettcar – Balkon gegenüber
Auch wenn es wesentlich emotionalere Lieder von Kettcar gibt, die auch wesentlich romantischer sind, hat dieses kurze Lied einfach diese “Du bist verdammt nochmal nicht allein”-Aussage, die ich großartig finde.
3. Dachterrasse – Spaziergang
Unfassbar melancholisch, unfassbar gut. “Die Vögel gehn allein nach Hause, denn die Luft ist voll von dir…” Ich kenne die Jungs persönlich und fand sie immer super.
4. Schrottgrenze – Nozomis Lieder
Eins der tollsten Lieder von Schrottgrenze. “Nur in meinen Liedern, kannst du fühlen wie ich wein’ und spüren, was es für mich heisst, auf dieser Welt zu sein…” Wenn das nicht gut ist, weiss ich auch nicht.
5. Tocotronic – Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit
Einfach mal auf Leute zugehen. Leute mögen und Dinge tun, die sie glücklich machen. Leider sind wir noch nicht soweit.
6. Senore Matze Rossi – Die Zeit sitzt uns im Nacken
Senore Matze Rossi. Der ehemalige Sänger von Tagtraum. Er ist Solo einfach großartig. Und die Zeit, die sitzt jedem im Nacken.
7. Peter Licht – Alles was du siehst gehört dir
Dieses Lied hat soviel Optimismus, soviel Fröhlichkeit. Es kann ja nicht immer nur melancholisch traurig sein auf dem Tape.
8. Tomte – Die Bastarde, die dich jetzt nach Hause bringen
Eigentlich ein Verlassen-werden-Lied, welches nicht auf so ein Tape gehört. Aber “wie wir schweigend durch die Straßen ziehn, muss sich wundervoll anhören” muss einfach drauf. Geht nicht anders.
9. Element of Crime – Vier Stunden vor Elbe
Element of Crime kenne ich ja selbst noch nicht so lange. Aber solange liebe ich sie auch schon. Und dieses Lied ist zwar ruhig, aber nicht so depressiv wie der große Rest. “Diesmal, mein Herz, diesmal gehst du mit.”
10. Götz Widmann – Moleküle und Galaxien
Dieses Lied passt stilmäßig eigentlich nicht zwischen die anderen, aber es ist toll. Götz ist toll und deswegen darf er das. Oder in dem Fall eben ich.
11. ClickClickDecker – Ich beneide dich um deinen Sternenhimmel
Na wenn der Titel schon nicht gut genug ist, um auf das Tape zu kommen, das restliche Lied ist es allemal. “Wo ist der Ausgang aus dieser Stadt, die niemals pennt? Du liebst ihn unsterblich, obwohl ihr euch nicht kennt.” Genau.
Damit ist die erste Seite zu Ende und die zweite folgt gleich danach. Auf englisch und eher oldielastig.
2. Seite: englisch
1. Rolling Stones – You can’t always get what you want
Ich gebe zu, ich kenne es erst seit “Californication”, aber ich finde es fantastisch. Ein so fröhliches Lied mit einer so realistischen Botschaft
2. Bon Jovi – Dift Away
Ein Dobie Gray – Cover, welches ich auf meiner ersten Bon Jovi-Kassette hatte. Fand es damals schon toll. Und live noch dazu. Bootleg-Version. Hat nicht jeder.
3. Spitting Off Tall Buildings – Heartbeats
Jana Pallaske covert The Knife. Ich finde es grandios und sogar besser als das Original.
4. Sonic Youth – Superstar
Das letzte Cover auf diesem Tape. Ursprünglich von den Carpenters. Und bekannt aus dem Juno-Soundtrack. Ich mag es. Hat mich auf Sonic Youth gebracht.
5. The Smiths – There is a light that never goes out
The Smiths. Manche lieben sie, manche hassen sie. Ich persönlich liebe lieber. Und besonders dieses Lied. Ist meiner Meinung nach eines der besten.
6. Bob Dylan – If you see her, say hello
Auch ein Verlassen-werden-Lied, glaube ich. Aber es ist Bob und nur wenige können besser leiden als er.
7. Cat Stevens – Hard Headed Woman
Cat Stevens. Das Lied hab ich irgendwo auf einer Platte gefunden. Wenn er “I know a lot of fancy Dancers” brüllt, kriege ich ne Gänsehaut.
8. Eagles – Doolin Dalton
Irgendwie gehören die Eagles da drauf. Warum es gerade das Lied sein musste, weiß ich nicht. Ich finds einfach gut.
9. Guns’n'Roses – Patience
Geduld braucht man. Unbedingt. Und wenn man sie so rausschreit wie Axl Rose, dann gehört das auf Kassette gebannt.
10. Bruce Springsteen – No Surrender
Der Boss. Und dann auch noch mit einem Lied, welches eigentlich sehr rockig ist. Aber nicht in der Live-Version von meiner Platte. Da hört man nur Mundharmonika, Gitarre und Gesang. Ich könnte heulen. “No Retreat, No Surrender”
Das ist es. Mein allererstes Mixtape. Und ich finde es grandios gelungen.
Nun brauchte es nur noch einen Empfänger, besser noch, eine Empfängerin. Ist ja logisch oder? Und ich habe eine gefunden, die es würdig ist, so etwas besonderes geschenkt zu bekommen. Und weil ich der bin, der ich bin, wollte ich sie überraschen. Auch wenn viele wussten, dass ich ein Tape mache und auch viele darum gebettelt haben, habe ich es in einen Briefumschlag gesteckt und zu ihr geschickt.
Dachte ich zumindest. War nämlich die falsche Adresse. Hab ich aber erst nach einer Woche auf-heissen-Kohlen-sitzen erfahren. Und fands nichtmal schlimm. Jetzt freut sich vielleicht ein anderes Mädchen auch über ein Tape.
Ich habs nochmal geschickt. Und diesmal kam es bei ihr an. Geschafft.
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