Also.. Es geht um gestern. Den Tag und die Nacht.
Und dafür hole ich weit aus, da ich gerade in Schreiberlaune bin.
Vor ein paar Wochen spielten wir (Jo, Ludwig und meine Wenigkeit) im Boston in Gotha. Musik. Jack Johnson, Johnny Cash, ein paar bekanntere Dinge, ein paar (sehr tolle) Lieder vom Lulu und alles was uns sonst noch so einfiel. 3 Stunden. War ein sehr toller Abend und einer der tollsten Auftritte, die ich bisher hatte. Spaß, unsere Freunde um uns herum, die mindestens genauso viel Spaß hatten wie wir.
Zu diesem Anlass hatten sich auch ein paar Erfurter Mädels angekündigt. Freundinnen von Ludwig, die ich noch nicht kannte. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, wie viele es waren. Ich schätze so um die 4-6.
Nette Mädels. Muss ich schon sagen.
Ihnen scheint es auch gefallen zu haben, denn wir wurden höflich gefragt, ob die eventuelle Möglichkeit bestünde, uns möglicherweise auch zu einem Geburtstag zu “buchen”. Na aber Hallo. Wer sind wir denn. Natürlich machen wir das. Für mit ohne Gage, nur Gast und Logie. Wie immer.
Dieser Tag war gestern.
Proben? Ach, sowas brauchen echte Talente doch nicht. Eine grobe Aufstellung der Lieder, die man mehr oder weniger fähig ist zu spielen, reicht völlig.
Treffpunkt um 4, Erfurt, Bürgerhaus.
Logo, ich bin pünktlich. Meine beiden Kumpanen nicht, bei Musikern aber normal. Egal.
Anlage aufbauen, verkabeln und was sonst noch so ansteht. Doch die Lautsprecher wollen heute nicht so richtig. Der Bass basst, das Mischpult mischt, aber die Lautsprecher sprechen heute eher weniger. Ein paar Anrufe später sind wir immernoch nicht weiter. Passiert. Ein bisschen Rumgefriemel, Stecker hier, Stecker da, aus, an und unsere magischen Rockerhände bringen die Lautsprecher dann doch dazu, sich heute nicht ganz so zickig zu verhalten.
Wenn wir gute Laune haben, sollen die das auch.
Soundcheck. Läuft…
Dann doch einmal ne Setlist fertig machen. Ich schreibe zusammen, was mir so einfällt, Ludwig ist (halbwegs) zufrieden mit mir. Gut gemacht.
Rumgammeln bis die ersten Gäste kommen. Essen, Wein trinken, tanzen, kickern (Rike und ich haben das Doppel ganz klar für uns entschieden) und andere alberne Sachen machen.
Die Show beginnt. Bunt gemischtes “Publikum”, von denen einige schauen, als hätten sie Menschen mit echten Instrumenten noch niemals in Echtzeit gesehen oder einfach hier nur nicht erwartet.
Ein genauerer Blick auf die Gäste macht Sorgen. Vertreter der unterschiedlichsten Musikgenres sind dabei. So viele Gegensätze in einem Raum. Na das kann ja heiter werden.
Wir rattern unsere erste Runde gefühlvoll und voller Elan herunter. Applaus gibts auch. Wenig, aber bestimmt. Zum Glück kennen wir wenigstens ein paar Menschen im Saal. Das gibt Kraft.
Bandbesprechung vor der Tür. Das läuft nicht. Das ein oder andere schnellere Liedchen kommt ganz gut an, aber im Großen und Ganzen tut das Publikum wenig interessiert. Also heisst es Setlist kürzen. Alles was zu ruhig oder zu unbekannt ist, fliegt.
Aus den geplanten restlichen zwei Runden wird nun eine. Bekannte Sachen. Ärzte, Oasis, Simon and Garfunkel. Kommt ganz gut an, aber das gelbe vom Ei ist es nicht.
Naja. Dann hören wir halt auf.
Zu unserer Verwunderung kommen doch positive Äußerungen von mehreren Seiten. Hätten die mal mehr geklatscht.
Die Stimmung flaut ab. Bei uns und im Raum. Wir bauen ab. Jo packt die Anlage zusammen und verschwindet. Ludwig und ich bleiben. Feiern. Oder so was in der Art. Und hier schlafen.
Nur wo. Unsere eigentliche Schlafgelegenheit sagt ab. Kein Problem. Kann passieren. Dann wirds wohl doch das Auto werden, denken wir uns.
Naja. Erstmal ein Bierchen. Dann kann man weiterüberlegen. Aus einem Bier werden zwei und plötzlich hat Ludwig gute Neuigkeiten.
Schlafplatz für 2, dann sogar für 3.
Auf dem Boden mit Teppich. Luxus. Nettes Mädel
Dann stiefeln wir los. 10min durch Erfurt-City. Wirklich ein nettes Mädel. Ich hätte 3 angetrunkene MöchtegernMusiker, die ich noch nie gesehen habe, nicht mit in meine Bude genommen. Naja. Hippie-like. Ich mags.
Angekommen in der WG fallen uns die Kinnladen runter. Das Zimmer. Wahnsinn.
Ich kenne saubere Zimmer, halbwegs ordentliche Zimmer, unordentliche Zimmer, sehr unordentliche Zimmer und meine Zimmer. Aber sowas haben wir noch nicht gesehn.
Der Boden ist übersäht mit Blättern, Blöcken, CDs, Büchern, DVDs, Unterwäsche, Klamotten. Bierflaschen (Sternburg.. Yeah) und die B auf dem Tisch. Joghurtbecher daneben.
Nicht, dass ich mich nicht wohlfühlen würde. Das Zimmer hat irgendwie was, aber bei einem Mädel konnte ich mir sowas echt nicht vorstellen. Sie kriegt noch nen Pluspunkt auf meiner Sympathieskala.
Schlafen. Aufräumen. Also alles beiseite geschoben um Platz für die Schlafsäcke zu machen. Jeder andere Mensch stört sich, wenn man seine Klamotten und andere intimere Dinge in die Griffel nimmt und in eine andere Ecke des Raumes legt. Sie nicht. Hippie-like. Ich sags ja. Toll.
2 schlafen auf dem Boden, einer darf mit ins Bett. Süss.
Sie wolle noch Mädchenmusik hören. Element of Crime. Sagt mir nichts, klingt aber toll. Also im Dunkeln noch ein Album durchgehört und dann eingeschlafen. Naja. Die einen früher, die anderen später. Aber das ist eine andere Geschichte.
Um 8 ist die Nacht vorbei. Sie will uns wieder loswerden. War ja abgemacht und irgendwie kann ich es auch verstehen.
Wir bedanken uns herzlich und verschwinden wieder.
Insgesamt war der Tag gestern also OK. Der Auftritt war keiner der besten, aber denen, denen es gefallen sollte, hat es gefallen. Punkt. Das reicht.
Ich mag euch.
Vielen Dank also für die Möglichkeit des Auftritts an die Gastgeberin, genauso viel Dank an das nette Mädel mit dem Stück Boden für uns und sowieso mehr als zuviel Dank an die tollen Musiker, mit denen ich das bestreiten durfte.
Wir sehen uns.