Archive for the ‘ Alltag ’ Category


Ich war beim Arzt. Also nicht heute oder gestern, aber vorige Woche. Da ich ja seit Wochen mit einer duften Erkältung kämpfe, die aus einem Schnupfen, der sich sehen lassen kann, und einem daraus folgenden leichten Verlust der Hörfähigkeiten, besteht.

Und bevor ich irgendwann jämmerlich an Schweinegrippe oder noch schlimmeren krepiere, bin ich halt mal zum Doc. Das erste mal seit geschlagenen drei Jahren. Da hab ich mir natürlich auch ne Menge Geld gespart. Ausserdem kurier ich mich immer schön mit Tee, Bonbons, heisser Zitrone und Mentholkippen aus. Hat bisher ja auch ganz gut geklappt.

Es war also Montag Morgen und meine Entscheidung stand fest. Heute ist Arzt-Tag. Um 8 macht die Praxis auf. Eigentlich viel zu spät für die arbeitende Bevölkerung, aber ich wohne nunmal auf dem Land.

Ich bin also kurz nach 8 im Wartezimmer. 3 Menschen sind schon da. Sieht ja ganz gut aus. Ich hatte Bedenken hinsichtlich des Wochentages. Immerhin konnten alle einsamen Renter (ich entschuldige mich für diese Pauschalisierung) übers Wochenende mit niemandem reden. Da staut sich schon was an. Und meiner Erfahrung nach lassen sie das Montag Morgen dann den Arzt spüren. 10 Euro pro Quartal für eine Laber-Flatrate mit dem Doc.

War aber nicht so schlimm. Das Wartezimmer füllte sich allerdings trotzdem recht zügig. Und gegen halb Neun schlug dann auch der Arzt an seinem Arbeitsplatz auf. Hat bestimmt noch gemütlich gefrühstückt. Immerhin kann er jetzt arbeiten wie am Fliessband und hat keine störenden Pausen zwischen den Patienten.

Wartezimmer sind ja prinzipell langweilig. Jeder schweigt und allen geht es schlecht. Keine guten Voraussetzungen für jegliche Kommunikation, auch wenn auf dem Dorf eh jeder jeden kennt. Allerdings scheint mich die Schwester nicht mehr zu kennen. Sie fragt mich, ob ich denn schon 18 bin und somit auch meine 10 Euro abdrücken müsste. Bin ich. In 2 Tagen sogar noch 3 Jahre älter. Aber gut. Ich war ja lange nicht da, geb ich zu. Egal, dieses Wartezimmer war jedenfalls alles andere als langweilig. Man erfährt den neuesten Dorf-Tratsch und sieht ziemlich kuriose Gestalten und Situationen.

Zum Beispiel die junge Mutter, die mit ihrer kleinen Tochter ins Wartezimmer kam. Das Kind machte einen recht munteren Eindruck, aber es war wohl krank. Zitat der Mutter: “Herr Doktor, können sie meine Tochter wieder gesundschreiben? Sie will in den Kindergarten und mir geht sie zu Hause auf die Nerven” Kann ich verstehen, klang aber trotzdem lustig.

Auch der nette ältere Herr hatte was zur allgemeinen Belustigung beizutragen. Alle sprachen von der neuen Schweinegrippeimpfung. Er nicht. “Herr Doktor, haben sie auch noch normale Grippe?” – “Ja, natürlich.” – “OK, dann bleib ich mal hier”.

Dann gesellte sich aber trotzdem noch eine Laber-Tante zu uns. Sie sah das zu dem Zeitpunkt mehr als überfüllte Wartezimmer und zog mit den Worten “Och nö, das ist mir zu voll. Ich geh wieder heim.” von dannen.

Schlussendlich taucht ein guter Freund von mir auf. Er fragt mich, was ich denn hier mache. Was mache ich denn hier? Ich pflücke Blumen und erfreue mich an dem Leid andere. Ansich ne gute Idee, aber nein. “Ich bin ein bisschen krank… Und was machst du hier?”, sage ich. Er zeigt mir seine Hand. Verbunden. Mit viel Mullbinde und so. Und blutdurchtränkt. Mit der Säge in die Hand gesägt. Soso. “Auch ein bisschen krank…”, sagt er.

Es war also ne tolle Zeit im Wartezimmer und gemessen an den tollen Dialogen und Szenen, welche ich dort innerhalb einer Stunde erlebt habe, kann ich sagen, dass 10 Euro für diese Vorstellung eigentlich viel zu billig sind. Rettet das Gesundheitssystem und geht mal wieder zum Arzt. Einfach so. Ist wie ne Comedy-Show, nur mit viel mehr Realität. Prima.

Achja. Und meine Diagnose war einfach ein böser Schnupfen. Gottseidank.

BUNT ist toll!

posted by Smikey

“BUNT ist toll!”. Was für eine großartige Idee, was für ein großartiges Motto. Der Herr Luttmann hat diese Aktion ins Leben gerufen um ein Zeichen für mehr Fremdenfreundlichkeit zu setzen.Dagegen sein ist immer so einfach, aber dafür sein lässt alles immer ein bisschen besser erscheinen. Also ist der heutige Artikel kein Artikel gegen Fremdenfeindlichkeit, obwohl das natürlich auch grandios wäre, sondern für mehr Fremdenfreundlichkeit.

bunt-ist-toll

Wir sind hier bei “Nichtsdestotrotz”. Wir sind bei Rock’n'Roll und so. Also schreibe ich über Musik. Leute, was wären wir ohne Musik? Was wären wir ohne Musik aus aller Welt? Was wäre die ganze Musikgeschichte ohne Musik aus aller Welt?

Nix. Musik ohne kulturelle und Einflüsse aus allen Herren Ländern wäre garnichts. Ohne Folklore und Spirituals kein Blues, ohne Blues kein Rock’n'Roll und ohne Rock’n'Roll kein Hardrock, Punk, Metal und so weiter. Und ohne diese ganze Geschichte gäbe es auch diesen Blog nicht. Und das wäre fatal.

Ich habe, seit ich Musik mache, schon viele Musiker aus anderen Ländern kennengelernt. Der so ziemlich erste, mit dem ich was zu tun hatte, war Lord Bishop aus den USA. SexRock und Blues in seiner coolsten Form. Er ist groß, er ist schwarz und er ist die Coolness in Person. Auch er sammelt seine Musiker aus den verschiedensten Ländern. Ein deutscher Schlagzeuger, ein polnischer Bassist. Überall kommen sie her und machen diese Band zu einer der tollsten Blues-Bands die ich kenne.

Die zweite Gruppe von Musikern kommt auch aus den USA. Besser gesagt aus Kalifornien. Und ihr Frontmann ist Programm. BRAY. Mit einer Persönlichkeit, die ein Übermaß an Sympathie und Coolness, sowie einen Tanzstil, der aussieht wie eine Mischung von Michael Jackson und Prince machen seine Show zu einem Erlebnis.

Die letzte Band, die ich hier vorstellen will, weil ich sie schon persönlich getroffen und erlebt hab, kommt von der anderen Seite der Welt. Aus Australien. Es sind “The Vagrants“. Guter Rock mit einer Frontfrau, die zwar immens klein ist, aber trotzdem eine riesige Stimme hat. Als ich sie damals auf die Bühne steigen sah, war ich skeptisch, aber diese rauhe, scheinbar whiskygetränkte Stimme hat mich aus den Socken gehauen. Ausserdem haben sie mich eingeladen, mich in Australien rumzuführen, falls ich mal Down Under bin. Das kann allerdings noch eine Weile dauern.

Diese drei Bands sind so die Highlights, an deren Auftritte und Persönlichkeiten ich mich immer gern erinnere. Sie bereichern mein Leben und beeinflussen meine Musik genauso, wie meine Sicht auf die vielen Dinge der Welt. Und ich möchte das alles auf keinen Fall missen. BUNT ist toll!

3TB – one day after

posted by Smikey

Gestern war es endlich soweit. Die 3. Thüringer Bloglesung stand an und ich war wieder einmal dabei.

Meine Begleitung und ich schlugen leider erst kurz vor Beginn im Markt 11 auf. Bastih und co hatten schon fast einen Herzinfarkt bekommen, weil ich so spät war. Grund: Ich sollte beginnen zu lesen. Na prima. Aber dann hab ich es wenigstens hinter mir.

Aufgrund technischer Probleme verzögert sich das ganze noch eine Weile und ich darf mich solange wichtig fühlen, weil ich das erste Interview meines Lebens führe. Die Frage, ob ich aufgeregt bin hab ich mal entschieden mit “JAAA” beantwortet.

Und schon geht es los. Markus moderiert. Und schon muss ich da vor und die Menschen mit meinem Gefühlsexhibitionismus nerven. Cool, macht mir aber trotzdem Angst.

Ich beginne mit dem wohl persönlichsten Text, den ich bisher geschrieben habe und der auch immernoch auf seine Veröffentlichung wartet. Ob ich das tue, ich weiss es nicht. Aber es war wichtig, dass er mal gelesen wird. ReneS sagt, dass die Frauen angetan davon waren. Ich mein, ich mach das ja auch nicht zum Spaß. Ich war allerdings so aufgeregt, dass ich das nicht mitbekommen habe. Allerdings habe ich, als ich ab und an (sehr selten) aufgeschaut habe, ein unheimlich süßes Lächeln von Geradeaus vernommen. Hat mich ein bisschen aus der Bahn geworfen, aber ich hab versucht, mir das nicht anmerken zu lassen. ReneS war übrigens ähnlicher Ansicht. Gnihihi…

Der nächste Text den ich lese, ist “Schokopudding”. Ich habe einige Schmunzler von ein paar Mädels, auch von dem mit dem süßen Lächeln und einige Schmunzler von Bastih, der nur etwa 2 m von mir entfernt sitzt. Ich glaube, er war einer der einzigen, die den Wink mit dem Kettcar-Zaunspfahl verstanden haben Aber gut, dafür war er da. Der Zaunspfahl.

Der letzte Text ist “Hitch für Anfänger”. Der baut so schön auf “Schokopudding” auf. Ist mir allerdings erst aufgefallen, als ich die Texte gestern zusammengesucht habe. Aber gut. Die Po-Ente kommt wieder zu plötzlich und wieder weiß keiner, dass er jetzt schon klatschen soll. Ich bin fertig. Und es war gut. Und nun kann ich mich den Rest des Abends beruhigt hinsetzen und geniessen.

Als nächstes kommt das Kolumnistenschwein. Man muss politisch recht interessiert sein um seine Texte zu verstehen. Ich bin es und finde sie also wie immer großartig.

Danach pulsiv. Das Niveau sinkt. Sagt er selbst. Es geht um Titten, Analsex und Stress im Supermarkt. Ich habe gut gelacht. Und wer braucht schon Niveau. Meine Haut ist auch so zart genug.

Pause. Rauchen, Szenegetränke trinken und warten, dass es weitergeht.

Als nächstes kommt Rob. Ganz spontan. Sein Strip, nicht ganz so spontan, sondern vorsätzlich, lässt Mädels in Extase geraten. Tiefsinnig und gut sind seine Texte. Wusste ich vorher.

Sapere Aude ist an der Reihe. Es geht um Gott. Oder eben NICHT um Gott. Auf alle Fälle ist er Atheist und ich stimme ihm voll zu.

Der in die Bloglesung hineingevotete Geschichtenerzähler macht den Abschluss der 2. Runde. Und erzählt von Sandkastenspielchen der Politiker und Interviews mit Osama bin Laden. Und um Leberwurst. Sehr gute Ideen, aber mir leider FAST schon zu breitgetreten. Trotzdem Respekt. Sowas muss man sich erstmal einfallen lassen.

Pause. Das übliche Spiel.

Die dritte und letzte Runde wird eröffnet von Cuentacuentos. Eine Dame im besten Alter. Und aus Berlin. Extra angereist. Sie hat leider sehr leise Gesprochen, aber das, was ich verstanden habe, fand ich grandios. Tiefsinnig, gefühlsbetont und sehr sehr poetisch. Großartig.

Als letzter Bloggern lesenderweise ist Bastih nun an der Reihe. Er liest über Gefangensein in der Dixihölle, umgeben von einer Herde wahnsinniger Kühe und einen sehr sehr guten Text über Befreiung und Veränderung. Ich ertappe mich beim leichten Nicken, immer wenn er einen Gedanken beendet. Grandios. Nicht nur deshalb habe ich dem Zeitungsmädel nur gute Sachen von ihm erzählt. (bastih, für diese Aussage will ich nen Bier *g*)

Den krönenden Abschluss bildet jojo. Auf den Bloglesungen ist er immer vertreten, aber Cartoons lassen sich so schlecht vorlesen. Also hat er sich was überlegt und zeigt einen kleinen Cartoon-Film. Ich habe gut gelacht und nun endlich mal Nadini in real und live und so gesehen.

Schluss mit der Leserei, nun gehts ums ganze. Tombola.

Ich bin der erste, der etwas gewinnt. Und ich gewinne das, was prinzipiell sowieso jeder haben wollte. Mit der Nummer 43. Und zwar: *trommelwirbel*

WRESTLING-SAMMELKARTEN. Und eine ist vom Undertaker, na wenn das nix ist.

Der Rest gewinnt Bücher, Buttons, Computerspiele und Küsse von bastiH und Markus.

Nun ist aber wirklich Schluss und es geht ans Kennenlernen, ganz leicht zur guten Musik vom DJ Suga abschmoofen und Szenegetränke in sich kippen.

Es war also wieder sehr sehr gut. Ein schöner Abend mit tollen Bloggern, süßen Mädels, lustigen Anekdoten und tiefsinnigen Beiträgen, die einen nur zustimmen lassen.

Danke dafür.

hier die Meinung von anderen:

  • Presseartikel, und das Interview mit mir ist der Aufhänger. Na prima!

Sonne im Kopf

posted by Smikey

Da spaziert man seine tägliche Runde um den Blog und BAM! findet man genau den Text, der das eigene derzeitige Gefühl beschreibt. Diesmal war es MC Winkel, dessen Blog ich fast täglich besuche (Kommentare über Schleimerei und Schleichwerbung bitte JETZT).

Es geht um das natürliche Hochgefühl, welches man bekommt, wenn gerade mal wieder alles funktioniert oder man die schlechten Dinge des Lebens in einem Wahn von Naivität einfach ausblendet. Auch das macht sich ab und an ganz gut.

Das Gedankengedöhns im Kopf lichtet sich nicht, aber manchmal ist es einfach schön, nicht zu wissen, wo einem gerade der Kopf steht. Und das nicht weil ich mir über die Finanzen der Welt, den designierten US-Präsidenten oder die allgemeine soziale Ungerechtigkeit Sorgen mache, sondern weil ein kleiner Gedanke in meinem Kopf herumspringt. Mit einem Pogostick. Immer wieder. Und immer wenn er in die Höhe hüpft, sprudeln die Endorphine in den ganzen Körper. Toll ist das.

Das ganze geschieht gewöhnlich nach einem unheimlich tiefen Absturz in die düsteren Abgründe der Melancholie. Wenn man an einem Abend von qualitativ guter Musik langsam über die mittelprächtige Musik zum alten qualitativ schlechten aber trotzdem interessanten Deutschpunk gewandert ist, weiss ich, dass die Melancholie mich voll im Griff hat.

Aber wenn der lustige Gedanke mit dem Pogostick aufwacht und meinen Kopf mal wieder richtig durcheinander gebracht hat, weiss ich, dass der Tag ein guter wird.