Archive for the ‘ Aus eigener Feder ’ Category


Eine leise Melodie durchbricht die Stille der Nacht. Er steht am Fenster im 6. Stock des Hauses und schaut auf die Lichter der Stadt. Durch den Regen. Er denkt nach. Über die Vergangenheit und wie er hier gelandet ist. In der Stadt ohne Gesicht und ohne den Hauch von dem Gefühl, das er einmal hatte, als er noch nicht so viel gedacht hat. I’ve seen this happen in other people’s lives and now it’s happening in mine. The Smiths, eine seiner Lieblingsbands. Auch das hat sich geändert in der letzten Zeit. Die unbeschwerte Musik seiner Jugend gibt es nicht mehr oder er hatte sie verloren. Verstaut in einer großen Kiste ganz weit hinten in seiner Erinnerung. Nur einmal wieder, so wie früher, um die Häuser ziehen und mein Leben spüren. Er erinnert sich gern daran, wie sie früher einfach nur dort saßen. Früher, so ein großes Wort, vielleicht zu groß um eine Zeit zu beschreiben, die erst 3 Jahre zurück liegt. Dort wo sie saßen, an der Turnhalle der Schule. Und redeten. Und Bier tranken. Viel Bier. Nächtelang. Sie redeten über Gott und die Welt, Beziehungen und den Sinn des Lebens. Und das ganze jedes Wochenende. Für die Außenwelt ziemlich unspektakulär, aber für sie eine Erfüllung. Zusammen sein, unter sich, nichts anderes wollten sie. Und wenn die Nacht den Tag besiegt hatte und die Matratze nach ihren Köpfen rief, hatte niemand jemals das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Im Gegenteil. Und die Zeit sollte nie eine Rolle spielen und doch sitzt sie uns im Nacken.

Fortsetzung folgt…

Hitch für Anfänger

posted by Smikey

Der Abend geht dem Ende entgegen. Arm in Arm laufen sie verträumt die Straße entlang. Er bringt sie nach Hause. Selbstverständlich. Ohne zu zögern hat er seine Hand an ihre Hüfte gelegt und sie führen sich gegenseitig, beide leicht angeschwippst, zu ihrer Wohnung. Es war ein schöner Abend. Sie haben zusammen gekocht und sich gut unterhalten. Und als er es nicht mehr ausgehalten und durch den guten Rotwein genug Mut angehäuft hatte, sagte er es ihr. Die drei Worte, die ihm so schwergefallen waren, hatten den Stein ins Rollen gebracht. Unaufhörlich ist er vor diesem Geständnis auf dem Stuhl hin- und hergerutscht ohne zu ahnen, dass es ihr genauso erging.

An all das denkt er nicht mehr, als sie ihrer Haustür immer näher kommen. Langsam beginnt sie in ihrer Handtasche nach dem Schlüsselbund zu suchen. Es klimpert und sie scheint ihn gefunden zu haben. Sie bleiben stehen. Keiner sagt etwas. Man hört nur das langsame und leise Rasseln des Schlüsselbundes in ihrer Hand, das symbolisch fragt, ob er mit hineinkommen will. Völlig in Gedanken versunken bekommt er ihre Blicke in Richtung Tür gar nicht mit. Er ist glücklich.

Er ist zu verwirrt vor Glück, dass er ihre Andeutungen einfach nicht versteht. Er steht da, schaut ihr in die Augen und wartet auf das, was als nächstes passiert.

Sie versteht nicht, warum er nicht auf sie eingeht. Nur ein Kaffee oben auf der Couch. Oder so. Wer weiß, was sich dort ergibt. Aber er steht nur da und wartet.

Wieder klimpert sie mit dem Schlüssel, das eindeutige Zeichen. So laut, dass selbst auf der anderen Straßenseite der umherstreunende Kater Reißaus nimmt.

Die Sekunden fühlen sich an wie endlose Tage und nichts passiert.

Dann endlich sagt er etwas. Nicht viel. Aber genug um dem Abend einen krönenden Abschluss zu geben.

„Willst du nicht endlich reingehen?“

Schokopudding

posted by Smikey

„Ich mag dich.“

Sie schaut mich leicht verdutzt an, so als ob sie glaubt, sich verhört zu haben.

Hat sie nicht.

Innerlich könnte ich mich für diesen Satz jetzt schon ohrfeigen.

„Ich mag dich.“, die wohl beschissenste Formulierung, die mir in dem Moment hätte einfallen können. Sie hält mich jetzt wahrscheinlich für den absolut primitivsten, unkreativsten, weltfremdesten und pragmatisch-unromantischsten Kerl der ganzen menschlichen Existenz.

Ich frage mich, warum ich überhaupt hier bin. Beziehungsweise, warum sie hier ist. Mit mir. Sie, die jeden haben könnte und sich dann doch nicht für einen wie mich entscheidet. Einen fanatischen Freak mit dem Gedanken an eine bessere Welt. Sie, mit dem leicht punkigen Stil, den ich so gern hätte.

„Du bist Audrey Hepburn und ich Balu, der Bär.“

Dieser Satz schiesst mir durch den Kopf und ich fühle mich, als hätte Marcus diesen Satz nur für diese Situation formuliert.

Schokopudding. Wie zum Teufel kam ich auf Schokopudding?

Noch eine meiner dummen Ideen.

Wenn Heidi Klum mich auf einen Schokopudding einlädt, ist klar dass ich zusage. Aber wenn Angela Merkel einen Schokopudding mit mir essen will, dann sage ich, dass sie meinen gerne auch essen kann. Zu so einer Verabredung würde ich nicht einmal wegen des Puddings gehen.

Aber sie hatte zugesagt. Zu Schokopudding.

Aber warum hat sie es getan. Aus Mitleid? Aus Lust auf Pudding?

Ich weiss es nicht. Vielleicht will ich es auch gar nicht wissen. Mir ist wichtig, dass ich hier bin. Mit ihr. An den Rest wage ich gar nicht zu denken. Durch das Entfleuchen der beschissensten Formulierung auf diesem Planeten hab ich dieses Treffen sowieso kaputtgemacht.

„Ich mag dich.“

Wie konnte ich nur. In Gedanken habe ich gar nicht bemerkt, dass auch sie etwas gesagt hat. Ich schüttelte den Kopf, als ob ich versuchte, diese Bemerkung meinerseits einfach loszuwerden und schaute sie fragend an.

„Ich dich auch“, sagte sie nochmals.

Der Text liegt schon länger rum, und so richtig perfekt ist er auch nicht, aber irgendwann muss er ja mal veröffentlicht werden.