Schwester? Tupfer!

Filed under: Allgemein,Aus eigener Feder,Erlebtes — Smikey @ 11:53

Hab in letzter Zeit viele Geschichten aus dem Krankenhaus gelesen und da fiel mir ein, hach, da haste doch auch so einiges erlebt. Also mal abgesehen von den zuletzt beschriebenen Aktionen im Warteraum der Arztpraxis.

Es muss im Sommer 2007 gewesen sein. So kurz nach den Festivals, etwas länger nach dem Abi, aber doch noch kurz vor dem Studium. Ich hatte mich entschlossen, mir freiwillig ein Zimmer in einem Krankenhaus zu nehmen. Naja.. Mehr oder weniger freiwillig, nachdem ich mich ja ein Jahr zuvor bravurös mit dem Motorrad auf die Fresse gelegt hab und mein Bein das alles andere als entspannend fand. Befund: Spiralbruch.

Und nun war es soweit, mir einen monstermäßigen Titannagel wieder aus dem Bein zu ziehen, den sie mir da reingepflanzt hatten. Zeitlich passte es perfekt, also nahm ich mir ne Woche und begab mich ins Krankenhaus.

Die OP lief wie immer prima. Ich bin ja schmerzfrei was Narkosemittel angeht. Ich seh die Nadel im Arm verschwinden und weg bin ich. Vorbildlicher Patient und so. Kann ja nicht jeder von sich behaupten. Allerdings werd ich aber gleich nervig, wenn ich wieder aufwache… Wer weiß ob der letzte Stich zum Vernähen der Wunde schon gemacht ist, aber ich hab den Doc gleich gefragt, ob alles gut gelaufen ist. Ich bin ja im Stress. Muss ja laufen und so. Und Motorrad fahren.

Apropos Motorradfahren. Da hat man ja sowieso nen beschissenen Stand im Krankenhaus. Da kannste nen Husten haben und es werden trotzdem Witze gemacht. Jeden Morgen. Visite. Ich mein, niemand ist jemals wirklich wach in einem Krankenhaus. Und da kann man auch nicht gut kontern, wenn der Arzt jeden Morgen aufs Neue fragt, wie es denn dem “potentiellen Organspender” denn heute geht. Da kann man nur doof grinsen und hoffen, dass die niedlichen Krankenschwestern nur über den Witz lachen und nicht über dich.

Niedliche Krankenschwestern gibts ja sowieso nicht wie Sand am Meer. Das ist eine Lüge der Fernsehindustrie, damit die Leute lieber ins Krankenhaus gehen. Zum Großteil sind die Schwestern alt, dick und mit Damenbart ausgestattet. Ich mein, es muss ja nicht gerade Tara Reid als Krankenschwester unterwegs sein, aber bitte, mir gehts da drin eh schon beschissen.  Meist jedenfalls. Ausser man hat eben süße Krankenschwestern.

Oder Krankenschwesterazubinen. Und dazu Zivis. Dann ist alles prima. Ich lieg nachmittags in meinem Bett rum (was will man auch machen, wenn man nicht laufen kann) und warte auf die Dinge die da kommen. Essen, Besuch, die Müdigkeit. Aber neheeheee. Da kommt ein Zivi mit dazugehöriger Krankenschwesterazubine rein. Niedlich. Richtig niedlich. Also die Azubine, nicht der Zivi.

Er gesellt sich an mein Ohr und misst meine Temperatur. Die Azubine beginnt parallel dazu, meinen Puls zu messen. Zivi ist als erster fertig. Geht ja auch schneller mit diesen elektronischen Piepsdingern. Er geht gleich zum nächsten Tagesordnungspunkt über:

Na Herr Kehler, heute schon schön gekackt?”

Ich muss grinsen. Ich kenne den Zivi. Er spielt mit mir in einer Band und wir kennen uns seit Jahren. Aber das weiß ja die Azubine nicht. Die ist komplett durcheinander und schaut uns mit panischem Gesicht an. Den Zivi, ob er noch alle Tassen im Schrank hat und mich, ob ich überhaupt zugehört habe, wie er mit mir spricht. Mein Kumpel entspannt die Situation. “Keine Angst, das istn Kumpel von mir… Und.. Wo liegt der Puls?”

Puls. Achja. Den sollte sie ja messen. Wurde aber durch unsere Konversation durcheinandergebracht. “Ähm. Der Puls. Hrm.. Schreib was normales auf. Ich bin durcheinander.”

Pulsmessen kann man aber auch auf noch originellere Weise durchziehen. Zum Beispiel während man an einem anderen Nachmittag so in meinem Krankenbett liegt und vor sich hin döst. Schlafen ist ja eh der einzig sinnvolle Zeitvertreib im Krankenhaus. Ich liege also da und schlummere vor mich hin. Plötzlich springt die Tür auf und eine (nicht ganz so niedliche) Krankenschwester kommt rein. “Ich will nur kurz Temperatur und Puls messen”. Und ich will schlafen, denk ich mir. Schlafen. Knallhart hat sie mich aus dem Schlaf gerissen. Ich bin immernoch zu Tode erschreckt, als sie beginnt, meinen Puls zu fühlen.

“Der ist aber ganz schön hoch, Herr Kehler. Gehts Ihnen gut?”

Bestens, gute Frau, bestens.

Kopf auf Metall

Filed under: Aus eigener Feder,Erlebtes — Smikey @ 08:56

Ich hab letztens irgendwie irgendwo mal was über Schlafwandeln gelesen. Bin ja eigentlich nicht der Typ dafür. Aber ich kann mich leider genau an eine Situation erinnern, in der es mich auch nachts übermannt hat. Mit blutigem Ausgang.

Es muss so vor 8 Jahren gewesen sein. Oder 9. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher. Mein Vater war auf Dienstreise und ich verbrachte die Woche zusammen mit meinem Bruder bei unserer Oma. Ich schlief nicht gut. Das Haus, welches ich seit frühester Kindheit kannte, hatte immer diese typischen Haus-Macken. Klappern, Knirschen, Pfeifen… Immerhin ist es ein altes Haus und Wind und so tun ihr übriges dazu, sich da als Kind nicht gerade sicher zu fühlen.

Mein Bruder und ich schliefen gemeinsam in einem Doppelbett. In der ersten Nacht lief alles prima. Einschlafen, aufwachen und zu Schule gehen. Kein Problem. Bin ja schon groß. Aber in der zweiten Nacht passierte die erste Ungereimtheit. Eingeschlafen, aufgewacht. Aber auf der falschen Seite des Bettes. Mein Bruder lag plötzlich links von mir und nicht, wie am Abend vorher, rechts. Ich gebe zu ich war verdutzt, dachte aber nicht weiter darüber nach. Wird schon alles seine Richtigkeit haben.

In der nächsten Nacht lief irgendetwas ganz gehörig schief. Ich weiß nicht warum ich mich so gut an das Schlafwandeln erinnern kann, aber ich kann es. Ich wachte mitten in der Nacht auf. Und aus unerfindlichen Gründen stand ich auf und lief los. Richtung Wand. Einfach so darauf zu. Ohne Ziel und ohne irgendein Ergebnis zu erwarten.

Dann passierte es. Ich stolperte über einen Stuhl und fiel nach vorne. Ich stieß mir den Kopf an der Dachschräge und schlug dann auf der Heizung auf. Nicht, dass die Heizung so eine tolle grillähnliche Abdeckung der zwei Teile hatte. Neheheheee. Es war eine alte Heizung an der die zwei Heizkörperteile gefährlich Spitz nach oben zuliefen. Und ich schlug drauf. Mit der Lippe. Volles Ballett. Tat ganz schön weh, aber im Taumel der Nacht schien mir das nichts auszumachen. Ich legte mich wieder in mein Bett.

Stunden später wachte ich durch ein feuchtes Gefühl an meinem Oberkörper auf. Ich machte das Licht an und sah mich um. Ich sag euch. Ein mafioser Akt von SchweineKopfInBettenLegen macht eine kleinere Sauerei als ich in dieser Nacht. Blutflecken sind gar kein Ausdruck. Mein ganzer Oberkörper war voller Blut und mein Gesicht geschwollen.

Nachdem ich mich in Bad gesäubert hatte konnte ich wieder seelenruhig schlafen. Vielleicht auch auf Grund des Blutmangels im Körper…

Auf jeden Fall scheint sogar mein Unterbewusstsein davon überzeugt worden zu sein, dass Schlafwandeln nicht so die Perfektion für den Sohn meines Vaters ist. Und die Narbe hab ich auch noch. Ich sag immer, ich hab mich geprügelt. Die Wahrheit ist einfach zu peinlich.

Abdrücke

Filed under: Aus eigener Feder,Gedankenwelt — Smikey @ 16:50

Dies ist der Beitrag, mit dem ich am Samstag die Bloglesung eröffnet habe. Bisher habe ich es nicht übers Herz gebracht, ohne zu veröffentlichen, aber durch die positive Resonanz auf den gelesenen Text habe ich mich doch dafür entschieden. Und hier ist er.

Ich laufe einfach los. Ich hab die Tür hinter mir zufallen lassen und der Knall hat meine Gedanken freigesprengt. Die Enge des Hauses hat mich eingesperrt. In seinem Zimmer zu sitzen und sich nicht daheim zu fühlen ist grausam. Hier draußen fühle ich mich frei und die Gedanken schwingen von Laterne zu Laterne, während ich die Straße entlang gehe. Es schneit. Es schneit so sehr, dass innerhalb von Minuten alles von einer weißen, glitzernden Schicht bedeckt ist. Alles, außer Fußabdrücke. Meine Fußabdrücke. Es ist viele Jahre her, dass ich sie hier hinterlassen habe. Mit einem Stechen in der Brust wandere ich sie jeden Tag entlang. Sie führen von hier weg aber sie kehren nie zurück, genauso wie auch ich nie zurückgekehrt bin.

Aber als ich das hier damals alles verlassen habe, habe ich mein Herz mitgenommen. Und es irgendwo auf dem Weg verloren. Nun bin ich zurück ohne mich geborgen zu fühlen.

Home is where your heart is
und meins ist irgendwie nicht hier. Nicht an dem Ort, an dem ich es lassen wollte um einen Grund zu haben, zurück zu kommen.

Ich schaue mich um und versuche zu erkennen, warum mir das, was mir vertraut und geliebt vorkommen sollte, so fremd erscheint. Überall sehe ich Menschen, die ich kennen und lieben sollte, aber nichts davon ist der Fall. Ich sehe ihnen zu wie sie ihr Leben leben und fühle mich zwischen ihnen trotzdem allein. Ich habe sie um mich herum und bin trotzdem nicht glücklich. Ich vermisse die Freunde, die ich in den letzten Jahren kennen und lieben gelernt habe. Freunde, die mich begleitet haben und mich zu dem gemacht haben, der ich heute bin. Diese fehlen nun und ich bin zurück um hier alte Freunde wieder neu zu finden. Ich lerne sie wieder kennen. Und zwar auf eine andere Weise, als ich sie damals kennengelernt und gemocht habe. Und komischerweise es tut gut. Das erneute Kennenlernen vermittelt das Gefühl von Wärme und ich sehe Dinge in einem Licht, an welches ich nie zu glauben gewagt habe.

Ich lerne Menschen kennen, dich seit Ewigkeiten kenne, aber sie nie wirklich wahrgenommen habe. Und ich mag sie. Und das ist ein großartiges Gefühl.

Andere, die ich damals gebraucht habe und die mir Geborgenheit geschenkt haben, haben sich verändert. Auch ich habe mich verändert. Aber in eine andere, falsche Richtung. Oder ist es andersherum? Ist es so, dass hier alles falsch gelaufen ist und ich alles richtig gemacht habe? Während mir die Schneeflocken ins Gesicht peitschen, merke ich, dass beide Sichtweisen durchaus ihren Funken Wahrheit beinhalten müssen. Es ist eben alles anders geblieben und jeder hat seinen Weg gewählt. Auch ich habe meinen gewählt und muss nun feststellen, dass ich mein Ziel aber noch lange nicht erreicht habe.

Langsam bin ich auf dem Rückweg meines Spaziergangs und es schneit immernoch. Ich weiß schon gar nicht mehr, warum ich das Haus überhaupt verlassen habe. Aber es war richtig. Ich glaube alles war richtig. Alles was geschehen ist und wie ich bis hierher gekommen bin. Jeder geht seinen Weg und das hier ist meiner. Als ich vor meiner Haustür ankomme, merke ich, dass ich etwas hinterlassen habe.

Fußabdrücke, die nicht mehr nur von hier weg führen. Ich hinterlasse Abdrücke, die nach Hause führen. In das Hier und Jetzt.

Home is where your heart is und meins ist wieder da wo es hingehört.

Hier.

Blinken im Frühling

Filed under: Allgemein,Aus eigener Feder,Gedankenwelt — Smikey @ 07:28

Es blinkt und mein Herz fängt wieder einmal an, schneller zu klopfen. OK, es ist nur das Fenster vom InstantMessenger auf meinem Laptop, dass mich so in helle Aufregung versetzt. Ein leises “Huhu” springt mir entgegen und ich weiß, welcher Name vor dem Doppelpunkt steht. Und ich freue mich. Mein Herz hüpft herum, wie bei einem Kind, wenn es das erste Mal länger aufbleiben darf.

Und es tut gut.

Irgendwie ist es naiv und teenagerlike über jeden Satz von ihr nachzudenken und zu versuchen, irgendetwas hinein zu interpretieren. Interpretiert man pessimistisch, ist man sowieso im Arsch. Und interpretiert man zu optimistisch, dann kommt irgendwann der große Knall. Am besten man macht das, was man als Mann immer macht. Lesen und abnicken. Nicht bewerten, erstmal nur hinnehmen.

Ich denke trotzdem nach. Über alles. Mal opti- mal pessimistischer. Der Masterplan.

Denn irgendwie ist er da. Er kam ganz plötzlich und nun ist er da. Mit Schmackes angekommen im neuen Jahr. Der Frühling. Wenn ich aus dem Fenster meines unaufgeräumten Zimmers blicke, grinst mich etwas an. Die Sonne. Sie grinst so sehr, dass sogar ich zurückgrinsen muss, weil es einfach gut tut, von ihr angelächelt zu werden.

Denn ich habe einen neuen Versuch gestartet. Einen Versuch, einen Teil meines Lebens wieder in eine geordnete Bahn zu bringen. Gut, Single sein kann auch relativ geordnet ablaufen und eine Beziehung kann auch durchaus im totalen Chaos enden. Aber ich denke ihr wisst was ich meine. Endorphine und so. Körpereigen.

Ich spüre keinen Hauch von Frühjahrsmüdigkeit. Ich bin wach. Und endorphiniert.

Hallenspiel (Der Tragödie zweiter Teil)

Filed under: Aus eigener Feder — Smikey @ 20:44

Er legt die Gitarre aus der Hand. Alte Klänge, die durch den Raum geflutet wurden. Von ihm und dem Radio. So alt, dass sie nur noch selten wieder den Weg in sein Ohr und das unbestimmte komische etwas dazwischen finden. Damals, als diese Klänge noch durch den mit Bildern behangenen Wänden des kleines Raumes am Ende der Stadt hallten, hatte er gewonnen. Er hatte es geschafft, die zwei wichtigsten Dinge seines Lebens oder besser die, die es werden sollten, unter einen Hut zu bringen. Die Musik und die Liebe.

Sie waren wie Brüder, auch wenn er diese Formulierung nicht mag, weil sie zu kitschig klingt.  Aber sie waren es. Brüder, die alles teilten. Freud und Leid, gute Laune und die andere Seite. Der Tisch voller leerer Flaschen und Chipstüten auf den großen Boxen, wo die Musik heraussprudelt. Ihre Musik. Die Musik, welche sie ersinnen, wärend sie mit Gänseblümchen im Mund und eine Flasche in der Hand neben ihren besseren Hälften und den anderen noch besseren Hälften lagen. Im Sommer.

Und sie wussten, es war richtig.

Hallenspiel (Der Tragödie erster Teil)

Filed under: Aus eigener Feder,Gedankenwelt — Smikey @ 10:10

Eine leise Melodie durchbricht die Stille der Nacht. Er steht am Fenster im 6. Stock des Hauses und schaut auf die Lichter der Stadt. Durch den Regen. Er denkt nach. Über die Vergangenheit und wie er hier gelandet ist. In der Stadt ohne Gesicht und ohne den Hauch von dem Gefühl, das er einmal hatte, als er noch nicht so viel gedacht hat. I’ve seen this happen in other people’s lives and now it’s happening in mine. The Smiths, eine seiner Lieblingsbands. Auch das hat sich geändert in der letzten Zeit. Die unbeschwerte Musik seiner Jugend gibt es nicht mehr oder er hatte sie verloren. Verstaut in einer großen Kiste ganz weit hinten in seiner Erinnerung. Nur einmal wieder, so wie früher, um die Häuser ziehen und mein Leben spüren. Er erinnert sich gern daran, wie sie früher einfach nur dort saßen. Früher, so ein großes Wort, vielleicht zu groß um eine Zeit zu beschreiben, die erst 3 Jahre zurück liegt. Dort wo sie saßen, an der Turnhalle der Schule. Und redeten. Und Bier tranken. Viel Bier. Nächtelang. Sie redeten über Gott und die Welt, Beziehungen und den Sinn des Lebens. Und das ganze jedes Wochenende. Für die Außenwelt ziemlich unspektakulär, aber für sie eine Erfüllung. Zusammen sein, unter sich, nichts anderes wollten sie. Und wenn die Nacht den Tag besiegt hatte und die Matratze nach ihren Köpfen rief, hatte niemand jemals das Gefühl, etwas verpasst zu haben. Im Gegenteil. Und die Zeit sollte nie eine Rolle spielen und doch sitzt sie uns im Nacken.

Fortsetzung folgt…

Hitch für Anfänger

Filed under: Aus eigener Feder — Smikey @ 11:01

Der Abend geht dem Ende entgegen. Arm in Arm laufen sie verträumt die Straße entlang. Er bringt sie nach Hause. Selbstverständlich. Ohne zu zögern hat er seine Hand an ihre Hüfte gelegt und sie führen sich gegenseitig, beide leicht angeschwippst, zu ihrer Wohnung. Es war ein schöner Abend. Sie haben zusammen gekocht und sich gut unterhalten. Und als er es nicht mehr ausgehalten und durch den guten Rotwein genug Mut angehäuft hatte, sagte er es ihr. Die drei Worte, die ihm so schwergefallen waren, hatten den Stein ins Rollen gebracht. Unaufhörlich ist er vor diesem Geständnis auf dem Stuhl hin- und hergerutscht ohne zu ahnen, dass es ihr genauso erging.

An all das denkt er nicht mehr, als sie ihrer Haustür immer näher kommen. Langsam beginnt sie in ihrer Handtasche nach dem Schlüsselbund zu suchen. Es klimpert und sie scheint ihn gefunden zu haben. Sie bleiben stehen. Keiner sagt etwas. Man hört nur das langsame und leise Rasseln des Schlüsselbundes in ihrer Hand, das symbolisch fragt, ob er mit hineinkommen will. Völlig in Gedanken versunken bekommt er ihre Blicke in Richtung Tür gar nicht mit. Er ist glücklich.

Er ist zu verwirrt vor Glück, dass er ihre Andeutungen einfach nicht versteht. Er steht da, schaut ihr in die Augen und wartet auf das, was als nächstes passiert.

Sie versteht nicht, warum er nicht auf sie eingeht. Nur ein Kaffee oben auf der Couch. Oder so. Wer weiß, was sich dort ergibt. Aber er steht nur da und wartet.

Wieder klimpert sie mit dem Schlüssel, das eindeutige Zeichen. So laut, dass selbst auf der anderen Straßenseite der umherstreunende Kater Reißaus nimmt.

Die Sekunden fühlen sich an wie endlose Tage und nichts passiert.

Dann endlich sagt er etwas. Nicht viel. Aber genug um dem Abend einen krönenden Abschluss zu geben.

„Willst du nicht endlich reingehen?“

Schokopudding

Filed under: Aus eigener Feder,Gedankenwelt — Smikey @ 09:46

„Ich mag dich.“

Sie schaut mich leicht verdutzt an, so als ob sie glaubt, sich verhört zu haben.

Hat sie nicht.

Innerlich könnte ich mich für diesen Satz jetzt schon ohrfeigen.

„Ich mag dich.“, die wohl beschissenste Formulierung, die mir in dem Moment hätte einfallen können. Sie hält mich jetzt wahrscheinlich für den absolut primitivsten, unkreativsten, weltfremdesten und pragmatisch-unromantischsten Kerl der ganzen menschlichen Existenz.

Ich frage mich, warum ich überhaupt hier bin. Beziehungsweise, warum sie hier ist. Mit mir. Sie, die jeden haben könnte und sich dann doch nicht für einen wie mich entscheidet. Einen fanatischen Freak mit dem Gedanken an eine bessere Welt. Sie, mit dem leicht punkigen Stil, den ich so gern hätte.

„Du bist Audrey Hepburn und ich Balu, der Bär.“

Dieser Satz schiesst mir durch den Kopf und ich fühle mich, als hätte Marcus diesen Satz nur für diese Situation formuliert.

Schokopudding. Wie zum Teufel kam ich auf Schokopudding?

Noch eine meiner dummen Ideen.

Wenn Heidi Klum mich auf einen Schokopudding einlädt, ist klar dass ich zusage. Aber wenn Angela Merkel einen Schokopudding mit mir essen will, dann sage ich, dass sie meinen gerne auch essen kann. Zu so einer Verabredung würde ich nicht einmal wegen des Puddings gehen.

Aber sie hatte zugesagt. Zu Schokopudding.

Aber warum hat sie es getan. Aus Mitleid? Aus Lust auf Pudding?

Ich weiss es nicht. Vielleicht will ich es auch gar nicht wissen. Mir ist wichtig, dass ich hier bin. Mit ihr. An den Rest wage ich gar nicht zu denken. Durch das Entfleuchen der beschissensten Formulierung auf diesem Planeten hab ich dieses Treffen sowieso kaputtgemacht.

„Ich mag dich.“

Wie konnte ich nur. In Gedanken habe ich gar nicht bemerkt, dass auch sie etwas gesagt hat. Ich schüttelte den Kopf, als ob ich versuchte, diese Bemerkung meinerseits einfach loszuwerden und schaute sie fragend an.

„Ich dich auch“, sagte sie nochmals.

Der Text liegt schon länger rum, und so richtig perfekt ist er auch nicht, aber irgendwann muss er ja mal veröffentlicht werden.

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