Ich war beim Arzt. Also nicht heute oder gestern, aber vorige Woche. Da ich ja seit Wochen mit einer duften Erkältung kämpfe, die aus einem Schnupfen, der sich sehen lassen kann, und einem daraus folgenden leichten Verlust der Hörfähigkeiten, besteht.

Und bevor ich irgendwann jämmerlich an Schweinegrippe oder noch schlimmeren krepiere, bin ich halt mal zum Doc. Das erste mal seit geschlagenen drei Jahren. Da hab ich mir natürlich auch ne Menge Geld gespart. Ausserdem kurier ich mich immer schön mit Tee, Bonbons, heisser Zitrone und Mentholkippen aus. Hat bisher ja auch ganz gut geklappt.

Es war also Montag Morgen und meine Entscheidung stand fest. Heute ist Arzt-Tag. Um 8 macht die Praxis auf. Eigentlich viel zu spät für die arbeitende Bevölkerung, aber ich wohne nunmal auf dem Land.

Ich bin also kurz nach 8 im Wartezimmer. 3 Menschen sind schon da. Sieht ja ganz gut aus. Ich hatte Bedenken hinsichtlich des Wochentages. Immerhin konnten alle einsamen Renter (ich entschuldige mich für diese Pauschalisierung) übers Wochenende mit niemandem reden. Da staut sich schon was an. Und meiner Erfahrung nach lassen sie das Montag Morgen dann den Arzt spüren. 10 Euro pro Quartal für eine Laber-Flatrate mit dem Doc.

War aber nicht so schlimm. Das Wartezimmer füllte sich allerdings trotzdem recht zügig. Und gegen halb Neun schlug dann auch der Arzt an seinem Arbeitsplatz auf. Hat bestimmt noch gemütlich gefrühstückt. Immerhin kann er jetzt arbeiten wie am Fliessband und hat keine störenden Pausen zwischen den Patienten.

Wartezimmer sind ja prinzipell langweilig. Jeder schweigt und allen geht es schlecht. Keine guten Voraussetzungen für jegliche Kommunikation, auch wenn auf dem Dorf eh jeder jeden kennt. Allerdings scheint mich die Schwester nicht mehr zu kennen. Sie fragt mich, ob ich denn schon 18 bin und somit auch meine 10 Euro abdrücken müsste. Bin ich. In 2 Tagen sogar noch 3 Jahre älter. Aber gut. Ich war ja lange nicht da, geb ich zu. Egal, dieses Wartezimmer war jedenfalls alles andere als langweilig. Man erfährt den neuesten Dorf-Tratsch und sieht ziemlich kuriose Gestalten und Situationen.

Zum Beispiel die junge Mutter, die mit ihrer kleinen Tochter ins Wartezimmer kam. Das Kind machte einen recht munteren Eindruck, aber es war wohl krank. Zitat der Mutter: “Herr Doktor, können sie meine Tochter wieder gesundschreiben? Sie will in den Kindergarten und mir geht sie zu Hause auf die Nerven” Kann ich verstehen, klang aber trotzdem lustig.

Auch der nette ältere Herr hatte was zur allgemeinen Belustigung beizutragen. Alle sprachen von der neuen Schweinegrippeimpfung. Er nicht. “Herr Doktor, haben sie auch noch normale Grippe?” – “Ja, natürlich.” – “OK, dann bleib ich mal hier”.

Dann gesellte sich aber trotzdem noch eine Laber-Tante zu uns. Sie sah das zu dem Zeitpunkt mehr als überfüllte Wartezimmer und zog mit den Worten “Och nö, das ist mir zu voll. Ich geh wieder heim.” von dannen.

Schlussendlich taucht ein guter Freund von mir auf. Er fragt mich, was ich denn hier mache. Was mache ich denn hier? Ich pflücke Blumen und erfreue mich an dem Leid andere. Ansich ne gute Idee, aber nein. “Ich bin ein bisschen krank… Und was machst du hier?”, sage ich. Er zeigt mir seine Hand. Verbunden. Mit viel Mullbinde und so. Und blutdurchtränkt. Mit der Säge in die Hand gesägt. Soso. “Auch ein bisschen krank…”, sagt er.

Es war also ne tolle Zeit im Wartezimmer und gemessen an den tollen Dialogen und Szenen, welche ich dort innerhalb einer Stunde erlebt habe, kann ich sagen, dass 10 Euro für diese Vorstellung eigentlich viel zu billig sind. Rettet das Gesundheitssystem und geht mal wieder zum Arzt. Einfach so. Ist wie ne Comedy-Show, nur mit viel mehr Realität. Prima.

Achja. Und meine Diagnose war einfach ein böser Schnupfen. Gottseidank.

BUNT ist toll!

Oktober 31, 2009

“BUNT ist toll!”. Was für eine großartige Idee, was für ein großartiges Motto. Der Herr Luttmann hat diese Aktion ins Leben gerufen um ein Zeichen für mehr Fremdenfreundlichkeit zu setzen.Dagegen sein ist immer so einfach, aber dafür sein lässt alles immer ein bisschen besser erscheinen. Also ist der heutige Artikel kein Artikel gegen Fremdenfeindlichkeit, obwohl das natürlich auch grandios wäre, sondern für mehr Fremdenfreundlichkeit.

bunt-ist-toll

Wir sind hier bei “Nichtsdestotrotz”. Wir sind bei Rock’n'Roll und so. Also schreibe ich über Musik. Leute, was wären wir ohne Musik? Was wären wir ohne Musik aus aller Welt? Was wäre die ganze Musikgeschichte ohne Musik aus aller Welt?

Nix. Musik ohne kulturelle und Einflüsse aus allen Herren Ländern wäre garnichts. Ohne Folklore und Spirituals kein Blues, ohne Blues kein Rock’n'Roll und ohne Rock’n'Roll kein Hardrock, Punk, Metal und so weiter. Und ohne diese ganze Geschichte gäbe es auch diesen Blog nicht. Und das wäre fatal.

Ich habe, seit ich Musik mache, schon viele Musiker aus anderen Ländern kennengelernt. Der so ziemlich erste, mit dem ich was zu tun hatte, war Lord Bishop aus den USA. SexRock und Blues in seiner coolsten Form. Er ist groß, er ist schwarz und er ist die Coolness in Person. Auch er sammelt seine Musiker aus den verschiedensten Ländern. Ein deutscher Schlagzeuger, ein polnischer Bassist. Überall kommen sie her und machen diese Band zu einer der tollsten Blues-Bands die ich kenne.

Die zweite Gruppe von Musikern kommt auch aus den USA. Besser gesagt aus Kalifornien. Und ihr Frontmann ist Programm. BRAY. Mit einer Persönlichkeit, die ein Übermaß an Sympathie und Coolness, sowie einen Tanzstil, der aussieht wie eine Mischung von Michael Jackson und Prince machen seine Show zu einem Erlebnis.

Die letzte Band, die ich hier vorstellen will, weil ich sie schon persönlich getroffen und erlebt hab, kommt von der anderen Seite der Welt. Aus Australien. Es sind “The Vagrants“. Guter Rock mit einer Frontfrau, die zwar immens klein ist, aber trotzdem eine riesige Stimme hat. Als ich sie damals auf die Bühne steigen sah, war ich skeptisch, aber diese rauhe, scheinbar whiskygetränkte Stimme hat mich aus den Socken gehauen. Ausserdem haben sie mich eingeladen, mich in Australien rumzuführen, falls ich mal Down Under bin. Das kann allerdings noch eine Weile dauern.

Diese drei Bands sind so die Highlights, an deren Auftritte und Persönlichkeiten ich mich immer gern erinnere. Sie bereichern mein Leben und beeinflussen meine Musik genauso, wie meine Sicht auf die vielen Dinge der Welt. Und ich möchte das alles auf keinen Fall missen. BUNT ist toll!

Kopf auf Metall

Oktober 23, 2009

Ich hab letztens irgendwie irgendwo mal was über Schlafwandeln gelesen. Bin ja eigentlich nicht der Typ dafür. Aber ich kann mich leider genau an eine Situation erinnern, in der es mich auch nachts übermannt hat. Mit blutigem Ausgang.

Es muss so vor 8 Jahren gewesen sein. Oder 9. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher. Mein Vater war auf Dienstreise und ich verbrachte die Woche zusammen mit meinem Bruder bei unserer Oma. Ich schlief nicht gut. Das Haus, welches ich seit frühester Kindheit kannte, hatte immer diese typischen Haus-Macken. Klappern, Knirschen, Pfeifen… Immerhin ist es ein altes Haus und Wind und so tun ihr übriges dazu, sich da als Kind nicht gerade sicher zu fühlen.

Mein Bruder und ich schliefen gemeinsam in einem Doppelbett. In der ersten Nacht lief alles prima. Einschlafen, aufwachen und zu Schule gehen. Kein Problem. Bin ja schon groß. Aber in der zweiten Nacht passierte die erste Ungereimtheit. Eingeschlafen, aufgewacht. Aber auf der falschen Seite des Bettes. Mein Bruder lag plötzlich links von mir und nicht, wie am Abend vorher, rechts. Ich gebe zu ich war verdutzt, dachte aber nicht weiter darüber nach. Wird schon alles seine Richtigkeit haben.

In der nächsten Nacht lief irgendetwas ganz gehörig schief. Ich weiß nicht warum ich mich so gut an das Schlafwandeln erinnern kann, aber ich kann es. Ich wachte mitten in der Nacht auf. Und aus unerfindlichen Gründen stand ich auf und lief los. Richtung Wand. Einfach so darauf zu. Ohne Ziel und ohne irgendein Ergebnis zu erwarten.

Dann passierte es. Ich stolperte über einen Stuhl und fiel nach vorne. Ich stieß mir den Kopf an der Dachschräge und schlug dann auf der Heizung auf. Nicht, dass die Heizung so eine tolle grillähnliche Abdeckung der zwei Teile hatte. Neheheheee. Es war eine alte Heizung an der die zwei Heizkörperteile gefährlich Spitz nach oben zuliefen. Und ich schlug drauf. Mit der Lippe. Volles Ballett. Tat ganz schön weh, aber im Taumel der Nacht schien mir das nichts auszumachen. Ich legte mich wieder in mein Bett.

Stunden später wachte ich durch ein feuchtes Gefühl an meinem Oberkörper auf. Ich machte das Licht an und sah mich um. Ich sag euch. Ein mafioser Akt von SchweineKopfInBettenLegen macht eine kleinere Sauerei als ich in dieser Nacht. Blutflecken sind gar kein Ausdruck. Mein ganzer Oberkörper war voller Blut und mein Gesicht geschwollen.

Nachdem ich mich in Bad gesäubert hatte konnte ich wieder seelenruhig schlafen. Vielleicht auch auf Grund des Blutmangels im Körper…

Auf jeden Fall scheint sogar mein Unterbewusstsein davon überzeugt worden zu sein, dass Schlafwandeln nicht so die Perfektion für den Sohn meines Vaters ist. Und die Narbe hab ich auch noch. Ich sag immer, ich hab mich geprügelt. Die Wahrheit ist einfach zu peinlich.

Ein ♥ für Blogs

Oktober 16, 2009

Da hat sich der Stylespion mal was tolles ausgedacht. Zum zweiten Mal wird die Aktion “Ein ♥ für Blogs” gestartet. Und diesmal bin ich dabei. Ich gebe zu, beim letzten Mal habe ich es einfach verpennt.
Es geht schlicht und ergreifen darum, mal wirklich richtig tolle Blogs zu empfehlen und sie, so wie es damals(TM) war, zu verlinken.
Besucher hin- und herschieben, bekannter werden und mehr lesen, das ist das, worum es geht. Und das klingt verdammt nach “mitmachen”.

ein-herz-fuer-blogs

Also hier meine Top-Empfehlungen der deutschen Blogs:

  • Die Prinzessin, weil sie einfach so alltäglich toll ist. Auch wenn ihr Hund nicht Mike Glotzkowski heisst.
  • Beetlebum, weil seine Cartoons großartig sind und ich IMMER lachen muss.
  • Pulsiv und sein Neubaublog, weil er witzig, wortgewandt und manchmal ein verbaler Armageddon ist. Allerdings ist er gerade offline.
  • MC Winkel, weil er MC Winkel ist.
  • Amy&Pink, weil jeder Tag seine Titten braucht.
  • Herr Schmidt, weil er lange Haare hat und trotzdem cool ist.

So. Ich hab bestimmt jemanden vergessen, aber das sind so die allerwichtigsten und auf jeden Fall lesenswert. Aber HALLO.

Gestern ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. OK, ich gebe zu, es war ein recht einfach zu erfüllender Traum im Gegensatz zu Reichtum und Ruhm und PlayboyMansion und so. Aber es war ein Traum.

Denn ich war bei Sarah Kuttner. Auf einer Buchlesung. “Mängelexemplar” heisst der Roman von ihr und er ist großartig. Auch wenn er immer mit “Feuchtgebiete” von der lieben Charlotte Roche verglichen wird. Warum auch immer. Die Bücher haben nämlich mal so garnichts miteinander zu tun. Beide grandios, aber nicht wirklich vergleichbar.

kuttner_autogramm

Die Lesung war im Audimax der Erfurter Uni. Rammelvoll wars und das Publikum unfassbar gemischt. Studenten, Fans, aber auch viele ältere Herrschaften. Nur ca. ein Viertel des Publikums hatte das Buch beziehungsweise das Hörbuch vorher konsumiert und verinnerlicht. Ich schon. Ich kannte die Textstellen, welche die liebenswerte Sarah da vorgetragen hat. Aber ich konnte trotzdem mit Leib und Seele mitlachen, fühlen, denken und tun und so. Einfach ganz großes Tennis.

Die Sahnehäubchen waren natürlich die Zwischenkommentare von ihr… Wir haben herzhaft gelacht über PferdeKopfDecken und Macken von Menschen.

Diese Frau fasziniert mich schon seit Jahren. Ich habe fast alle ihre Sendungen gesehen. Von VIVA über MTV bis hin zur SlamPoetry auf Sat1Comedy. Alles. Nur wegen der Sarah. Toll.

Und nun hab ich sie live gesehen, auf der Bühne, dann am Signiertisch, ca 1m von mir entfernt. Und ich bin immernoch ganz fasziniert von allem. Ihr, dem Buch, ihrer Signierung in meinem Buch und so. Toll.

Die drei von der Tanzfläche

September 23, 2009

Mir ist da ja gerade was passiert. Im Fahrstuhl. Uiuiui.

Aber langsam, die Geschichte fängt eigentlich viel viel früher an. Nämlich irgendwann im letzten Jahr.

Wir hatten damals, wie auch heute noch, einen Auftritt als Vorgruppe der Rambling Stamps. Im Schlachthof in Eisenach. Es war ein tolles Konzert, die Leute waren toll und die Stimmung gut. Auch in der Band war alles vorzüglich. Aber ich glaube ich war krank. Erkältet. Wenn ich es mir recht überlege, ist es schon komisch, dass ich auch heute wieder erkältet bin. Wink des Schicksals oder so.

Auf jeden Fall stand ich während des Auftritts dort oben auf der Bühne und ging dem nach, für das ich bezahlt werde. In der Gegend rumstehen und auf dem Bass rumklimpern. Nebenbei tat ich natürlich das, wofür man diesen ganzen RockMusikKram eigentlich macht. Ich hielt Ausschau. Nach Frauen.

Und ich entdeckte sie. Drei Grazien hatten sich auf meiner Seite der Tanzfläche versammelt und wippten zur Musik. Scheint ihnen zu gefallen. Auch mir haben sie gefallen. Jedenfalls soweit ich das im Dunkeln und im Nebel erkennen konnte.

Der Auftritt war vorbei und wir tingelten durch die Menschen und grinsten unseren Stolz heraus. Und rauchen wollten wir. Also ich. Zufälligerweise standen wir zu diesem Zeitpunkt gerade in der Nähe meiner ins Auge gefassten Mädels. Also haben wir natürlich dort halt gemacht um eine Kippe zu schnorren. Wir habens uns kurz unterhalten und sind dann weiter gezogen. Meine Feststellung, dass eine von denen direkt in mein Beuteschema gesprungen ist, hat sich gefestigt gehabt. Und irgendwie kam sie mir auch seltsam bekannt vor. Aber der Abend ging vorbei und ich war daheim. Allein.

Mein Kumpel wiederrum scheint dieses entsprecende Mädel wenigstens teilweise gekannt zu haben. Mehr als ich auf jeden Fall. Er erzählte mir im Nachhinein, dass sie auch auf die Berufsakademie geht. Daher kannte ich sie also. Sowas aber auch. Irgendwie kam er auf die Idee, sie anzuschreiben und ihr zu verklickern, dass ich sie ja eigentlich recht schnieke fand.

Na prima. Folgender Dialog entstand: “Du, der Bassist fand dich eigentlich recht schnieke/süß/ansehnlich/whatever…” – “Der Bassist? Der war doch höchstens fünfzehn.”

Fünfzehn. FÜNFZEHN. PFÜÜÜMPFZEEEEEHN!

Ich gebe zu, ich war leicht gekränkt. Wochenlang. Ok, es war dunkel und ich bin klein und so. Aber FÜNFZEHN. Das ging nun wirklich zu weit.

Ein paar Tage später sind wir uns in der Berufsakademie begegnet. Ich wusste ja, dass sie auch dort studiert. Aber sie war nach ihrer Aussage nun leicht verdutzt. Hat geguckt wie nen Auto, das Mädel. Verständlicherweise. Ich hab nur gegrinst und bin weiter gegangen.

Diese ganze Geschichte ist nun über ein Jahr her. Und heute seh ich sie durch zufall mal wieder in meiner unmittelbahren Umgebung. Sie und ein paar Kumpels drängeln sich zu uns in den Fahrstuhl. Na prima. Ich habe sie gleich wiedererkannt und wollte schon kurz mal in den Boden sinken. Aber sie ist einfach zu ansehnlich, um einfach abzuhauen.

Aber sie hat mich nicht erkannt. Jedenfalls hat sie es nicht gezeigt. Mich würde interessieren, ob sie sich an die ganze Geschichte noch erinnert. Wer weiß, vielleicht krieg ich es heute Abend raus.

Achja, ich bin ihr übrigens auch auf den Fuß getreten. Aber nur ganz leicht.

Dunkle Vergangenheit

September 3, 2009

Die Highfield-Erlebnisse und der Herr Schmidt haben mich mal wieder auf meine vergangene musikalische Unzulänglichkeit hingewiesen. Damals wollte ich gute Musik hören und “durfte” nicht. Aus trotz habe ich einen Abstecher in die Abgründe der PopMusik gemacht.

Ich war jung. Damals irgendwann im Frühjahr 1999. Vor über 10 Jahren also. Ich kannte schon VIVA und MTV und da es damals noch nicht an Niveaumangel zu leiden schien, kam da echt noch Musik. Richtige, echte, teilweise handgemachte Musik. Und sie war gut und ich am Fernseher gefesselt. Ein Lied, welches mich nachhaltig beeindruckte war “Why don’t you get a Job?” von The Offspring. Ich fand das damals großartig und bin heute auch immernoch davon überzeugt, dass es das wirklich war und immernoch ist. Vorallem nach dem grandiosen Konzert auf dem diesjährigen Highfield.

Jedenfalls war ich beeindruckt von dieser Musik. Von Punk hatte ich vorher noch nicht viel gehört und auch meine Liebe zu den Ärzten hatte ich damals noch nicht entdeckt. Ich wollte diese CD. Ich BRAUCHTE diese CD. Das “Americana”-Album sollte mein CD-Regal gnadenlos aufwerten und auf eine neue Ebene des musikalischen Ergusses bringen.

Ich war damals mit meinen Eltern das erste mal in einem MediaMarkt. Himmelhergott, ich war 10 Jahre alt. Da hab ich mich lieber in der LEGO-Abteilung rumgetrieben. Ich habe gesucht und gesucht. Überall. Nach “Americana”. Und es nicht gefunden. Meine Eltern hatten Erbarmen mit mir und wir baten einen der Verläufer um Hilfe, die damals irgendwie noch nicht so unambitioniert wie heute waren. Und er konnte uns helfen. Er kannte das Regal für das Album meiner damaligen Träume.

“Steht bei Punk/Hardcore”. Ui. Ich habe die Gesichtszüge meiner Eltern entgleisen sehen. Keine Chance für mich, sie zu überreden. Musik, die unter “Hardcore” eingeordnet wird, kann nicht gut für einen 10jährigen sein. Nicht, dass sie im Allgemeinen was gegen harte Musik gehabt hätten, aber das ging dann doch zu weit.

Also bin ich ohne das Album wieder nach Hause gekommen. Und es hat mich verfolgt. Dieses Album nicht zu besitzen hat meine musikalische Entwicklung um 3-4 Jahre zurückgeworfen. Gnadenlos. Ich laste das niemandem an, am wenigsten meinen Eltern. Es ist einfach eine Tatsache.

Und jetzt folgt ein Geständnis: Ja, ich habe “No Angels”-CDs gekauft und besitze sie noch. Irgendwo, aber sie sind immer da und verfolgen mich. Und ich war auf einem “No Angels”-Konzert. Und ich fand es gut. Es tut mir leid.

Nach meinem Umzug ins Exil 2002 hat sich das ganze zum Glück wieder ändern lassen. Durch meinen Stiefbruder, meinen Vater und Freunde kam ich wieder auf den richtigen, den harten und ehrlichen Weg der Musik. Und nun, 10 Jahre nach dem einschneidenden Erlebnis im Plattenladen habe ich “The Offspring” das erste Mal LIVE und in Farbe gesehen. Auf dem Highfield. Und es war grandios.

Ich bin wieder da. Musikalisch erneuert.

Wisst Ihr, gestern Abend war es mal wieder soweit. Ich saß mal wieder in meiner Küche, naja, ich weiß, dass es eine Küche sein soll. Weil ich ziehe aus und das ist auch gut so…
Neuen Lebensabschnitt beginnen, würden jetzt sicher viele denken. Nee, isses nicht, ich weiß es besser, einfach nur ein weiteres Studium in einer sicher viel schöneren Stadt.
So saß ich also da, ne Tasse „gute Laune Tee“ in der Hand weil ich leicht gereizt war. Das hatte nämlich den Grund, dass genau die Kiste beim Zusammenpacken durchgebrochen ist, in der die ganzen Kleinteile lagen. Kennt man ja. Also dachte ich mir, trinkst du zum Abregen kein „gute Laune Bier“ sondern eben so einen ominösen Tee. Und das lag auch gar nicht da dran, dass kein Bier da war. Nein.
Erster Schluck (IIIIH, das Scheißzeug kannste ja vergessen), zweiter Schluck (nichts passiert), dritter Schluck (Verdammt, ich glaub ich muss aufs Klo). Nicht schön. Bin ja fast noch ein wenig mehr enttäuscht als von dem „heiße Liebe Tee“. Den hatte ich auch in der Hoffnung getrunken, eine oder mehrere Süßigkeiten in Person klingeln mit einem Kasten Bier bei mir an der Tür und sorgen für die allabendliche Unterhaltung. Naja, man sollte eben doch nicht alles glauben. Tee wird schließlich heißer gekocht, als er getrunken wird.
So saß ich nun da und habe angesichts der chaotischen Verhältnisse noch einmal die letzten drei Jahre Junggesellenstudium durch meinen Kopf gehen lassen. Bildlich im Schnelldurchgang, versteht sich. So dachte ich auch an das Studium und die großartigen Menschen wie Gott sie schuf und McDonalds sie formte.

Zusammengefasst: Eine sehr, sehr schöne und le(e|h)rreiche Zeit in der ich ganz viele liebe Menschen kennengelernt habe. Und das lag nicht nur an der grandiosen Zeit des Studiums, in dem ich lernte, Bier und Wein in Wasser zu verwandeln, in der Kurve auszukuppeln, Integration als eine höhere Kunst anzusehen und viele andere Dinge, bei denen es sich lohnen würde, ein Buch zu verfassen. Vielleicht werde ich das auch in meinem nächsten Lebensabschnitt, pardon, Zweitstudium, tun. Wenn ich Zeit habe.

Auf der anderen Seite war da noch die Firma, die mir geschlagene drei Jahre wirklich gut zur Seite stand um mir anschließend ein überproportional hohes Einstiegsgehalt bot, wenn ich mich dazu entschlossen hätte, weiter zu arbeiten. Den Namen kann ich leider hier nicht nennen, aufgrund der neuen Namenstechnischen Änderungen passt der nämlich kaum noch auf eine DIN A4 Seite. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Kollegen für die schöne Zeit während der Frühstückspause bedanken, falls sie zufällig auf der Suche nach einem hippen Mitzwanziger auf diesem Blog landen. Diesem danke ich übrigens auch, für die letzten Paar Jahre, hätte ich doch oft nichts mit der freien Zeit anzufangen gewusst (Nee, das is nen Witz, aber er freut sich sicher).

Zum Schluss noch zwei Sachen, die ich meinen ehemaligen Kollegen noch mitgeben möchte.

Zitat: „Wer über 30 Stunden in der Woche vor dem Computer sitzt, übt in den meisten Fällen auch Gewalt über sein Gerät aus“. Jeder sollte sich selber ein Bild machen, wie weit er selbst betroffen ist.

Zitat: „Um sich vom Computer provoziert zu fühlen, muss man das Gefühl haben, mit dem Gerät in echter Interaktion zu stehen“. Haben meine Kollegen also doch Glück. Ist überall Windows installiert.

Ich muss jetzt jedenfalls weiter packen. Für, naja, ich wisst schon was. Mal sehen, was die Zukunft für mich bringt (Nein, ich meine nicht Windows Updates).
Abwarten und Tee trinken. Oder doch besser Bier.

Dieser Text ist von nebenan. Vom Büro nebenan. Und er haut einfach ab. Einfach so. In eine neue Welt. Und ich wünsche ihm Glück und Spaß und Geld und Sex und Liebe und Bier und Wein und Spaß und Spannung und Spiel und natürlich Schokolade.

Eis mit Mutti

August 4, 2009

Ich hab letztens irgendwo von sehr peinlichen Dates gelesen. Und ich dachte mir so: Mensch, das kennste auch. Lange her, aber peinlich genug war es trotzdem.

Ich war damals frisch versinglet und somit frei wie der Wind. Und das wollte ich auskosten. Schnell.

Und da gab es dieses Mädchen. Sarah. Und sie war süß. Das ist mir natürlich schon viel früher aufgefallen, aber da durfte ich ja nichtmal darüber nachdenken. Und irgendwie schien sie mich auch als ganz nett empfunden zu haben.

Wir hatten ein Date. Ins Schwimmbad sollte es gehen. Und wer geht nicht gerne mit süßen Mädels, die einen mögen, halbnackt irgendwohin. Mit Chance auf Körperkontakt und so. Großartig und dazu auch noch ihre Idee. Die Chancen standen also von vornherein nicht ganz schlecht.

Der Tag nahte und ich freute mich schon wie ein Schneekönig im Hochsommer und dann. Ja dann. Dann war das Wetter beschissen. Arschlecken Schwimmbad. Keine halbnackte Badeorgie in der brütenden Hitze. Aber wir sind ja flexibel. Wir wollen Eis essen. Dafür reicht das Wetter allemal und wir treffen uns in der Innenstadt.

Himmelhilf, sieht dieses Mädel gut aus. Klein, blond und ein Lächeln, das seinesgleichen heute immernoch vergeblich sucht. Wir beginnen über den Markt zu schlendern auf der Suche nach dem besten Eis der Stadt. Ich meine, damals hatte ich ja noch Geld wie andere Löcher in den Socken und konnte mir auch ne Kugel leisten, die SIEBZIG Cent kostet. Und wenns sein muss auch zwei. Mit Schokosauce. Und Gummibärchen obendrauf.

Und so landeten wir beim Dänen. Auch wenn eher die südlichen Nachbarn für Geschmacksorgasmen bezüglich gefrorenen Speisen bekannt sind, war der Däne nicht zu verachten.

Ich öffnete die Tür zur Eisdiele und glitt elegant hinein. Vor mir meine Begleiterin. Ich schaute mich um, damit auch ja niemand mir meine FastEroberung wegnehmen könnte. Ich fand keinen. Prima. Aber ich sah jemand anderen. NA BRAVO. Hinten in der Ecke, eingebettet zwischen Arbeitskollegen, saß meine Stiefmutter! HALLO? Wie peinlich ist das denn… Ich habe leicht in ihre Richtung genickt, um Sarah nicht das Gefühl zu geben, dass ich mich jetzt schon total unten durch fühle.

Falsch gedacht. “Hallo Sarah” ruft es aus der Ecke und meine Stiefmum grinste mich an. Ich wäre lieber von Löwen zerfleischt oder nackt auf den Hauptmarkt gefesselt worden, als jetzt hier zu sein. Die beiden kennen sich und steh da wie der letzte Vollhorst.

Man merke mir meine plötzliche Unsicherheit auch fast garnicht an. Aber wo wir schon einmal da waren, konnten wir auch ein Eis essen. Und ne Waffel. Mit Schokosauce.

An den Rest des Dates erinnere ich mich nur noch bruchstückweise. Irgendwas hat meine Gedanken daran verschleiert. Entweder Sarah’s süßes Lächeln, oder die immense Peinlichkeit der ganzen Sache.

Single war ich nach diesem Tag jedenfalls immernoch. Und für ein zweites Date hat es irgendwie auch nicht gereicht.

Oh mein Gott. Was für eine Überschrift. Das wird wieder massig Besucher anlocken, und das obwohl der Satz garnicht anzüglich gemeint war.

Er stammt aus dem Mund von Olli Schulz. Einem der vielen Künstler auf dem von mir am Wochenende besuchten Befit-Festival.

Aber wie immer gaaanz von vorne.

Es war Freitag Nachmittag und ich hatte Feierabend. Vom Büro aus ging es direkt nach Erfurt. Das Wetter spielte zu dieser Zeit noch gut mit. Sonnig und so. Sogar zum Teil angenehmst warm. Also mit offenem Fenster und Ghost of Tom Joad auf Anschlag in die Landeshauptstadt gedüst. Treffpunkt mit den drei Mädels (jaaaa, DREI MÄDELS. und ich. yeah) war in ihrer WG. Ich liebe diese WG. Sie sieht so richtig nach WG aus. Und letzte Woche war da schon eine gelungene WG-Party, die manche aus AmericanPie-esken Teenie-Filmen ganz schön doof aussehen lässt. Erwähnte ich schon, dass ich diese WG liebe?

Also dort angekommen und die drei Mädels begrüsst, ein wenig geplaudert, gepackt und ab mit dem Auto aufs Festivalgelände.

Festivalgelände. Das scheint auch ein sehr deeeeeeeehnbarer Begriff zu sein. Nachdem sich irgendwelche Menschen dachten, die Einfahrt zum Wiesenparkplatzeingangsweg mit zwei aufeinandergefahrenen Autos zu versperren, waren wir 10min später dann doch endlich da. Aber relativ alleine. Die erwarteten drölfmilliarden Menschen waren irgendwie verhindert oder so. Jedenfalls standen auf der Park/Campingwiese maximal 20 Autos. Na gut. Hat man wenigstens Platz. Das erste Bier noch vor dem Eingang getrunken und mich doof von der Seite mit “Öööööördmaaaaaan” anbrüllen lassen. Frank the Tank war also auch da. Hatte ein neongrünes Stirnband. Hässlich, aber aus NewYork.

Also auf gehts. Bändchen holen und so. Noch 2 Bekannte vor dem Eingang getroffen, die sich dann unserer FestivalCrew anschlossen. Achja. Wetter bis zu diesem Zeitpunkt: leicht bewölkt, aber ok. Dann nicht mehr. Wir kommen gerade beim Bändchenausgabepavillon an, da fängt es an zu schütten. Die Sonne begann in Strömen zu scheinen. Aber richtig mit Schmackes und so. Auf dem Weg vom Pavillon zum Festzelt, welches ungefähr 30m entfernt stand, sahen wir schon aus wie Sau. Und nass waren wir auch noch.

2 meiner Begleiterinnen haben es sich aber nicht nehmen lassen, sich bei strömendem Regen trotzdem auf dem Trampolin zu amüsieren. Aber so sahen sie auch aus.

Irgendwann nahm der Regen dann ab und wir trauten uns aus dem sicheren Zelt auf die Wiese vor die CenterStage. Meine neuen Converse AllStars waren an diesem Punkt schon auf Grund massiven Schlammeinsatzes eingeweiht. Und das bevor ich die erste Band überhaupt gesehen hatte. Ach doch. Die Delta Rangers im Zelt. Naja. Da redmer mal lieber nicht weiter drüber.

Auf der CenterStage machten sich die Killerpilze breit. DIE KILLERPILZE. Ok, ich sag mal. Es ist nicht direkt meine Tasse Wurst was sie da musikalisch fabrizieren. Zu Teenie, zu Mainstream und so. Aber sie gehen nach vorne. Und machen trotz gähnender Leere vor der Bühne einen sympathischen Eindruck und bieten eine gute Show. Wir standen erste Reihe. Denn viel mehr Reihen gab es nicht. Ein paar Groupies aus Frankreich waren extra wegen den Pilzen gekommen und hatten sichtlich Spaß. Wir auch.

Zu diesem Zeitpunkt begab es sich, dass eine Freundin aus welchem Grund auch immer umfiel und im Matsch landete. Passiert. Aber sie sah eben auch dementsprechend aus. Und weil man ja sozial ist und so, wollte sie mich an ihrer Erfahrung teilhaben lassen und umarmte mich. Hrmpf. Ich war also auch geschmückt mit Flecken. Nicht dass meine Hose eh schon schlammig genug war, neinn, jetzt hatte es also auch mein Shirt erwischt. Als Entschuldigung bekam ich einen Button zum kaschieren der Flecken. EINEN BUTTON.

Nach den Killerpilzen. Ja. Da kam Chapeau Claque. Ich hatte sie vorher nie gesehen, geschweige denn gehört. Aber sie waren super. Diese Frau hat eine Stimme, das ist der pure Wahnsinn. Und aussehn tut sie auch nicht ganz schlecht. Insgesamt war ich also massivst begeistert von dieser Band. Und das obwohl es ja doch eher ruhig ist. Sehr interessant zu sehen, wie viele männliche Festivalbesucher da doch mitgegangen sind. Inklusive mir.

Nun kam die Band, auf die ich mich wahrscheinlich am meisten an diesem Tag gefreut hatte. Ghost of Tom Joad. Wie ihr wisst, hab ich die ja letztens in Marburg gesehen und war begeistert. Und so auch diesmal wieder. Wahnsinn. Großfantastiös. Ich bin abgegangen wie ein Zäpfchen und die wenigen Menschen die da waren, haben mich komisch angeschaut. Aber was solls. Man muss halt die Vibes spüren, sonst wird das nix.

K.I.Z. war der letzte Act an diesem Tag und ich habe ihn zum Großteil verpasst. Nicht schlimm. Diese Musik ist definitiv nicht meine Tasse Bier. Ich habe in dieser Zeit lieber am Bierstand rumgelungert und micht lange (sehr sehr lange) mit einer Streetworkerin über Bier, Alter, Sucht, Musik, Leben, und die Zukunft unterhalten. Ich glaube ich habe mich schon lange nicht mehr so gut unterhalten. Echt der Hammer. Wir haben uns an diesem Wochenende noch öfter gesehen und immer wieder nett angegrinst. Scheint uns beiden also gefallen zu haben. Ich glaube der Geschichte gebührt ein eigener Eintrag. Demnächst. Denn erstmal geht es um das Festival.

Der Freitag war vorbei und wir wurden vom Gelände begleitet. Weil so wenig Menschen da waren, viel die AfterShowParty eher aus. Und wir mussten nach Hause in die WG. Da gabs dann noch ein Abschlussbierchen und dann gings für 2 von uns ins Bettchen und für die anderen beiden nochmal weg.

Die Nacht zog sich dann bis Nachmittags um 2. “Frühstück” vom Bäcker und schon gehts wieder Richtung Festivalgelände. Bändchen zeigen war hinfällig. Man sah uns und unseren Klamotten an, dass wir Freitag schon da waren.

Ich muss dazu sagen, dass es mir schlecht ging. Also so richtig. Mit Kater und so. Aber da ich vorhatte, nachts noch nach Hause zu fahren, war Konterbier nicht drin. Also ging es mir schlecht. Den ganzen verdammten Tag. Aber nur körperlich.

Für uns wurde der Samstag mit ClickClickDecker eröffnet. Großartig-poetische Musik, die seinesgleichen sucht. Und er sieht live und in Farbe sogar menschlich aus. Von Bildern kenne ich ihn nur hässlich. Sorry, Click. Seine Ahnsagen und Kommentare machen das Konzert fantastisch. Der hat einen an der Marmel. Aber richtig.

Aber ansagentechnisch wurde er danach dann doch noch übertrumpft. Schwer vorstellbar, aber wahr. Von Olli Schulz. Musikalisch super und ansagenmäßig in perfekter Höchstform.

Beispiele:

  • Wer beschützt mich vor meiner eigenen Geilheit?
  • Ich bin allein. Und nackt. Und allein. Mit mir ganz allein. Allein mit meiner hemmungslosen Erotik.
  • Nachher mach ich Armdrücken mit dem Security hier unten. Na, haste schon Angst?
  • Wir verkaufen nachher Autolack dort hinten. Und Klobürstenhalter.

Ich fand ihn grandios und die anderen drölfeinhalb Besucher auch. Ganz ganz ganz großes Tennis.

Nach Olli Schulz folgt Dúné. Kannte ich garnicht, aber war super. Melancholisch, strange, kraftvoll und gutaussehend. Also mit gutaussehend meine ich diese Pianistin/Gitarristin. Die war ja mal muahahahahaa. So ungefähr. Und betrunken. Später, im Musikzelt auf der Tanzfläche. Muss man sich mal anhören.

Sugarplum Fairy. Die Typen klingen wie jede andere schwedische Indierock-Band auf dem Planeten. Aber deswegen nicht minder gut. Und sie sehen aus wie Mando Diao. Und klingen so. Prima.

Um dann mal ein wenig Abwechslung von diesem ganzen Rockscheiss (*g*) zu haben, wagen wir uns ins Musikzelt, wo gerade Captain Capa am rumelektronen ist. Sie haben extreme Probleme mit der Technik, aber wenns erstmal läuft, dann klingts saugeil. Wir dancen und springen und feiern und ich muss mal kurz nicht daran denken, dass ich eigentlich permantent kotzen möchte, weil mir so schlecht ist. Kater. Ihr wisst wie das ist.

Danach wechseln wir zwischen CenterStage und Zelt. Zwischen Donots, die großartig sind, und Juri Gagarin, die auch großartig sind. Schwierige Entscheidung und so bahnen wir uns immer wieder den Weg durch den Matsch.

Ich warte auf den letzten Act. 2 Mal verpasst, diesmal endlich gesehen. Götz Widmann. Ich sage mal so, er war nicht ganz nüchtern. Aber sehr gut. Meine Begleiterinnen fanden ihn ebenso gut wie ich und wir sangen großartige Lieder wie “Der Laptop-Webcam-Mann” und “Badmülleimer” mit. Gegen um Zwei war dann alles vorbei. Götz weg, die Bühne am abbauen und die AfterShowParty wieder am ausfallen auf Grund der wenigen Zuschauer.

Aber ich habe jemanden wiedergetroffen. Meine Schokopudding-Tante. Und sie ist immernoch so süß und lieb. Und ihren Freund kann man nichtmal scheisse finden, weil er ne coole Sau ist. Und so habe ich die beiden, betrunken wie sie waren, mit meinem Auto nach Hause gefahren.

Aber nicht, ohne mich vorher gebührend bei meinen drei tollen Begleiterinnen des Wochenendes zu verabschieden.

Das Festival war vorbei und ich auf der Autobahn auf dem Weg nach Hause.

Fakten und Fazit:

  • Sich als Frutte an einen Kerl ranzumachen, der offensichtlich auf Kerle steht, und das dazu nicht mitzubekommen, sieht von aussen sehr spaßig aus…
  • Matsch gehört irgendwie zum Festival dazu. Ich wüsste garnicht, wie sowas ohne Matsch aussieht.
  • Die Verbindung von elektronischer Musik und Rockmusik ist fantastisch
  • Musiker haben alle tierisch einen an der Marmel. Und ich auch

Das Festival war insgesamt einfach ein Traum. Auch wenn so wenig Leute da waren und das echt schade war. Wer weiß, ob sowas nochmal stattfinden kann. Wird finanziell tierisch schwierig, denke ich mal. Aber den Leuten, die da waren, hat es gefallen. Uns auch. Und ich habe viele tolle Menschen kennengelernt. Mehr als sonst. Weil eben alles so familiär war.

Insgesamt hatte ich schon ewig nicht mehr ein so geiles Wochenende. Danke an die Musiker, an die Menschen, an den Beirzapfer, an die Streetworkertante und ganz zum Schluss an meine tollen Begleiterinnen. Ihr seid toll und ich weiß nicht, wie so ein Festival ohne euch gewesen wäre.

Danke.


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