mit Liebe zusammengestellt…

Filed under: Allgemeines,Erlebtes,Gedankenwelt,Musikalisches — Smikey @ 14:27

Es ist jetzt über ein Jahr her, dass ich den Artikel über Mixtapes geschrieben habe. Ich habe damals gefragt, ob es noch Menschen gibt, die so etwas tun. Mixtapes machen, so richtig auf Kassette und so.  Manche sagten ja, manche sagten nein. Ich habe es auf jeden Fall getan. Und ich finde, es war gut. Achja. Und von dem Artikel auf dragstripgirl habe ich mich überhaupt garnicht inspirieren lassen, diesen Artikel hier zu schreiben. So weit kommts wohl noch.

Ein Mixtape. Das erste Mal darüber nachgedacht habe ich vor einem Jahr, als ich “High Fidelity” gelesen hatte. Ich fand, Mixtapes haben etwas handgemachtes, etwas romantisches. Natürlich wäre es toller, die Lieder selbst zu spielen und aufzunehmen, aber mit meiner Stimme tue ich da weder dem Menschen, der es hört, noch mir wirklich einen Gefallen. Also doch lieber die echten Künstler singen lassen.

Der endgültige Entschluss dazu, endlich so ein Tape zu machen, kam, als ich das Buch “Love is a Mixtape” gelesen habe, also vor ungefähr drei Wochen. Eine ganze Beziehung anhand von aufgenommenen Kassetten erzählt. Wenn das mal nicht Romantik pur ist. Genau. Und ich will das auch. Musik hab ich ja nunmal genug. Auf dem PC, auf CD und auf Vinyl.

Da ich ein MixTAPE machen wollte, brauchte ich natürlich Kassetten, eine tolle Anlage, die diese historischen Medien bespielen kann, hab ich ja noch. Auf GutGlück hab ich mich auf den Weg in einen dieser MarioBarth-Märkte gemacht. Eigentlich wollte ich der Peinlichkeit des Nachfragens entgehen, aber es ging nicht anders. Ich fand einen Azubi, den ich zum Mir-Zur-Seite-Stehen auserkoren hatte. “Heyhey… Sag mal, habt ihr noch leere Kassetten?” – “Du meinst leere Audiokassetten? MCs? Yo, da müssten noch welche da sein, komm mit.” Gesagt getan. Da standen sie. 5 Stück, 5 Euro. Teurer als Rohlinge, aber nungut. Wer das eine will, muss das andere mögen. “Hier, das sollten sie sein. Schau aber selbst nochmal nach, ich hatte sowas seit Jahren nicht mehr in der Hand.” Glaub ich ihm sogar. Ist aber das richtige.

Musik? Check. Rekorder? Check. Tapes? Check. Es kann also losgehen.

Mein Plan war von Anfang an eine englische und eine deutsche Seite. Schön gemütlich getrennt, damit man auch stilmässig richtig variabel sein kann. 45min pro Seite hatte ich Zeit. Müsste reichen für die Top10-11 der ruhigsten, aber tollsten Lieder der Künstler, die ich drauf haben wollte.

1. Seite: deutsch


1. Olli Schulz und der Hund Marie – Nimm mein Mixtape, Babe

Das dieses Lied auf das Tape gehört, erklärt sich ja wohl von selbst. Es ist wichtig, es ist gut und es ist der perfekte Einstieg.

2. Kettcar – Balkon gegenüber

Auch wenn es wesentlich emotionalere Lieder von Kettcar gibt, die auch wesentlich romantischer sind, hat dieses kurze Lied einfach diese “Du bist verdammt nochmal nicht allein”-Aussage, die ich großartig finde.

3. Dachterrasse – Spaziergang

Unfassbar melancholisch, unfassbar gut. “Die Vögel gehn allein nach Hause, denn die Luft ist voll von dir…” Ich kenne die Jungs persönlich und fand sie immer super.

4. Schrottgrenze – Nozomis Lieder

Eins der tollsten Lieder von Schrottgrenze. “Nur in meinen Liedern, kannst du fühlen wie ich wein’ und spüren, was es für mich heisst, auf dieser Welt zu sein…” Wenn das nicht gut ist, weiss ich auch nicht.

5. Tocotronic – Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit

Einfach mal auf Leute zugehen. Leute mögen und Dinge tun, die sie glücklich machen. Leider sind wir noch nicht soweit.

6. Senore Matze Rossi – Die Zeit sitzt uns im Nacken

Senore Matze Rossi. Der ehemalige Sänger von Tagtraum. Er ist Solo einfach großartig. Und die Zeit, die sitzt jedem im Nacken.

7. Peter Licht – Alles was du siehst gehört dir

Dieses Lied hat soviel Optimismus, soviel Fröhlichkeit. Es kann ja nicht immer nur melancholisch traurig sein auf dem Tape.

8. Tomte – Die Bastarde, die dich jetzt nach Hause bringen

Eigentlich ein Verlassen-werden-Lied, welches nicht auf so ein Tape gehört. Aber “wie wir schweigend durch die Straßen ziehn, muss sich wundervoll anhören” muss einfach drauf. Geht nicht anders.

9.  Element of Crime – Vier Stunden vor Elbe

Element of Crime kenne ich ja selbst noch nicht so lange. Aber solange liebe ich sie auch schon. Und dieses Lied ist zwar ruhig, aber nicht so depressiv wie der große Rest. “Diesmal, mein Herz, diesmal gehst du mit.”

10. Götz Widmann – Moleküle und Galaxien

Dieses Lied passt stilmäßig eigentlich nicht zwischen die anderen, aber es ist toll. Götz ist toll und deswegen darf er das. Oder in dem Fall eben ich.

11. ClickClickDecker – Ich beneide dich um deinen Sternenhimmel

Na wenn der Titel schon nicht gut genug ist, um auf das Tape zu kommen, das restliche Lied ist es allemal. “Wo ist der Ausgang aus dieser Stadt, die niemals pennt? Du liebst ihn unsterblich, obwohl ihr euch nicht kennt.” Genau.

Damit ist die erste Seite zu Ende und die zweite folgt gleich danach. Auf englisch und eher oldielastig.

2. Seite: englisch


1. Rolling Stones – You can’t always get what you want

Ich gebe zu, ich kenne es erst seit “Californication”, aber ich finde es fantastisch. Ein so fröhliches Lied mit einer so realistischen Botschaft

2. Bon Jovi – Dift Away

Ein Dobie Gray – Cover, welches ich auf meiner ersten Bon Jovi-Kassette hatte. Fand es damals schon toll. Und live noch dazu. Bootleg-Version. Hat nicht jeder.

3. Spitting Off Tall Buildings – Heartbeats

Jana Pallaske covert The Knife. Ich finde es grandios und sogar besser als das Original.

4. Sonic Youth – Superstar

Das letzte Cover auf diesem Tape. Ursprünglich von den Carpenters. Und bekannt aus dem Juno-Soundtrack. Ich mag es. Hat mich auf Sonic Youth gebracht.

5. The Smiths – There is a light that never goes out

The Smiths. Manche lieben sie, manche hassen sie. Ich persönlich liebe lieber. Und besonders dieses Lied. Ist meiner Meinung nach eines der besten.

6. Bob Dylan – If you see her, say hello

Auch ein Verlassen-werden-Lied, glaube ich. Aber es ist Bob und nur wenige können besser leiden als er.

7. Cat Stevens – Hard Headed Woman

Cat Stevens. Das Lied hab ich irgendwo auf einer Platte gefunden. Wenn er “I know a lot of fancy Dancers” brüllt, kriege ich ne Gänsehaut.

8. Eagles – Doolin Dalton

Irgendwie gehören die Eagles da drauf. Warum es gerade das Lied sein musste, weiß ich nicht. Ich finds einfach gut.

9. Guns’n'Roses – Patience

Geduld braucht man. Unbedingt. Und wenn man sie so rausschreit wie Axl Rose, dann gehört das auf Kassette gebannt.

10. Bruce Springsteen – No Surrender

Der Boss. Und dann auch noch mit einem Lied, welches eigentlich sehr rockig ist. Aber nicht in der Live-Version von meiner Platte. Da hört man nur Mundharmonika, Gitarre und Gesang. Ich könnte heulen. “No Retreat, No Surrender”

Das ist es. Mein allererstes Mixtape. Und ich finde es grandios gelungen.

Nun brauchte es nur noch einen Empfänger, besser noch, eine Empfängerin. Ist ja logisch oder? Und ich habe eine gefunden, die es würdig ist, so etwas besonderes geschenkt zu bekommen. Und weil ich der bin, der ich bin, wollte ich sie überraschen. Auch wenn viele wussten, dass ich ein Tape mache und auch viele darum gebettelt haben, habe ich es in einen Briefumschlag gesteckt und zu ihr geschickt.

Dachte ich zumindest. War nämlich die falsche Adresse. Hab ich aber erst nach einer Woche auf-heissen-Kohlen-sitzen erfahren. Und fands nichtmal schlimm. Jetzt freut sich vielleicht ein anderes Mädchen auch über ein Tape.

Ich habs nochmal geschickt. Und diesmal kam es bei ihr an. Geschafft.

Das wirklich ALLERERSTE Mal Berlin

Filed under: Allgemein,Erlebtes — Smikey @ 09:04

Da der letzte Eintrag über meinen ersten Auftritt in Berlin handelte, ist mir doch glatt wieder eingefallen, dass da ja noch ein Berlin-Artikel im Schubfach liegt. Geschrieben habe ich ihn eigentlich für bastiHs Kurzschluss-Aktion, aber die gab es ja dann nicht mehr.Ich war nämlich schon vor meinem Auftritt in Berlin. Also alleine meine ich.

Berlin. Ja herrgottnochmal ist das schon wieder lange her. Fünf oder sechs Jahre ist es her, als ich mit 2 Kumpanen in der Hauptstadt war. Kurz nach Weihnachten zum alljährlichen Kongress des CCC.

Der spannendste Teil der Reise war aber auf jeden Fall unser erster Clubbesuch in Berlin und unserem Leben. Nicht weit von unserer kleinen Pension, in die wir uns eingemietet hatten, war der Magnet-Club. Mitten in Friedrichshain.
Als es daran ging, den Abend zu gestalten, war dieser Club ganz oben auf der Liste der Wünsche. Nicht weit weg und kein Eintritt mitten in der Woche. Einziges Problem: Wir waren jung. Und mit jung meine ich jung. Wir waren gerade so in dem Alter, in dem man offiziell Bier mal kosten aber Obstler nichtmal angucken darf.

Also standen wir davor wie ein Kind vorm Schokoladenregal, wenn es erst Mami fragen muss. Und wir fragten, besser gesagt mein Kumpel fragte, nachdem wir den mit dem meisten Mut ausgeknobelt hatten. Ob wir da denn auch mal rein dürften. „Ausnahmsweise, aber bis Mitternacht seid ihr wieder draußen!“, höre ich den Türsteher sagen und verschwinde im schimmernden Rot des Magnets.

OK, wir werden komisch angeschaut, aber mit dem Selbstbewusstsein des hässlichen Ent-leins war uns das egal. Also Bier holen und ab auf einer der vielen Sofen, Couches und anderen Sitzmöbel rund um die eher kleine Tanzfläche. Gemütlich war es und man fühlte sich fast schon so, wie man sich jetzt fühlt, wenn man in einem kleinen rauchigen Club ein Bier trinkt und in Gedanken zu versinken droht: Man(n) fühlt sich wohl.

Wohl gefühlt haben sich anscheinend auch die 2 Mädels auf der Couch vor uns, die sich mit zunehmender Regelmäßigkeit zu uns umdrehten um einen Blick auf die 3 Kerle zu erhaschen, die hier nicht so richtig reinpassten, sich aber trotzdem wie daheim fühlten.

Die Mädels waren wenn überhaupt nur unwesentlich älter als wir und nicht gerade unser Beuteschema. Hey, außerdem waren wir jung und hatten in Clubs noch nie Mädels angesprochen, weil wir ja noch nie in Clubs waren.
Die Begebenheit, dass sie sich konsequent zu uns umdrehten, aber anscheinen auch nicht den Mut hatten, uns anzusprechen, verwirrte uns allerdings. Wir machten uns schon Sorgen, dass sie am nächsten Morgen eventuell von immensen Nackenschmerzen geplagt sein könnten und schmiedeten einen Plan. Und mein Kumpel führte ihn aus.
Er stand auf, ging schnurstracks auf die Couch und den beiden zu.

„Hey ihr beiden, wenn ihr euch da rüber setzt, braucht ihr euch nicht die ganze Zeit rumzudrehen…“

Großartige Aktion in dem Moment, heute wirkt sie allerdings manchmal ein wenig arm. Aber nicht minder gut.
Die beiden waren auf jeden Fall innerhalb von wenigen Minuten verschwunden. Ob aus Abneigung oder dem Gefühl, erwischt worden zu sein, weiß ich bis heute nicht.

Aber der Abend hat sich gelohnt. Für mich, für uns und für den Club bestimmt auch. Immerhin haben wir gut zugelangt.

Ich fühle mich in rauchigen Clubs immer noch wohl und werde wohl noch einmal wieder-kommen. Auch in den Magnet-Club.

Nach Berlin.

Das erste Mal Berlin

Filed under: Allgemein,Erlebtes,Musikalisches — Smikey @ 16:56

Wie ihr alle wisst, bin ich ja ein begnadeter und überaus attraktiver Musiker. Meine Kollegen natürlich auch. Und wie es sich für eine grandiose Band gehört, muss man natürlich auch ein ganz besonderes erstes Konzert geben. Und zwar in der Hauptstadt dieses Landes. In Berlin. Das gehört sich so und das darf man auch niemals zu spät machen, sondern eher viel zu früh, damit man immer damit angeben kann. “Du willst uns nicht spielen lassen? Hallo! Wir haben schon in Berlin gespielt”…

Unser erstes Mal Berlin war in diesem Sommer. Nach knapp 1,5 Jahren Bandgeschichte war es endlich soweit. Wir wurden in die Hauptstadt eingeladen. Eine kleine Bar, aber das ist ja nebensächlich. Wir treffen uns in der kleinen Hauptstadt, also in der von Thüringen, Erfurt, um von da aus mit dem Tourbus (immerhin ein 4er Golf) nach Norden zu fahren. Wir sind aufgeregt wie die kleinen Kinder beim Weihnachtsmann und freuen uns auch entsprechend.

Berlin ist ja jetzt nicht gerade die kleinste Stadt Deutschlands. Nun gut. Wir haben ein Navigationsgerät. Das hilf und wir quälen uns trotzdem quer durch die Innenstadt. Als die Stimme des Navis “Sie haben das Ziel erreicht” ruft, schauen wir uns ungläubig um. Wir stehen direkt neben dem Ostbahnhof. Bedeutet: Gute Innenstadt, am Bahnhof und somit im Ost-Teil der Hauptstadt. Wie cool ist das denn. Die Bar sieht nett aus und der Betreiber macht auch einen sehr guten Eindruck. Ein Thüringer im Exil. Na wenn das nichts ist. Ich gönne mir erstmal ein Bier darauf, dass es bisher schon sehr gut gelaufen ist.

Wir haben natürlich nicht das ganze Equipment bei uns im Golf. Wir haben natürlich Roadies, die uns das ganze Geramsche schon vorher nach Berlin verschifft haben. Um dem ganzen den letzten Schliff zu geben, kaufen wir im Karstadt nebenan noch Batterien und Stoff ein. Also Stoff im Sinne von Stoff und nicht im Sinne von “Stoff”. Wir verstehn uns. Solche Rockstars sind wir nämlich nicht.

Aufbauen, Soundcheck und Thüringer Bratwurst mampfen. Das ist gelungen. Nach und nach tauchen die ersten Gäste auf und der Laden füllt sich. Begonnen wird mit einem kleinen Thüringen-Quiz. Prima. Alles Exil-Thüringer. Na das muss doch gut werden.

Wir fangen an zu spielen. Am Anfang wie immer verhaltene Stimmung, aber sobald die ersten 3 Bier im Körper sind, werden alle lockerer. Auch ich. Es macht tierischen Spass zu dritt auf ca einem Quadratmeter Fläche zu spielen. Hat was kuscheliges. Ein netter Herr fragt uns, ober er denn auch mal 2 Lieder spielen dürfte. Hey, natürlich. Er spielt “Rote Lippen soll man Küssen”, “Blowing in the Wind” und “Marmor, Stein und Eisen bricht”… Das kommt an, das macht Laune. Es taucht auch ein Kumpel aus Gotha auf und feiert mit. Großartig. Der Auftritt geht bis kurz nach Mitternacht. Glaube ich. Wir bauen langsam ab und genehmigen uns noch ein Bier.

Das Abschlussbier gegen halb 2 trinken wir auf besondere Weise. Kennt ihr “Jammin” von Bob Marley? Jedes Mal, wenn Bob “Jammin” singt, muss getrunken werden. Ich bin bis zum 1. Refrain fertig mit meinem Bier. Prima. Das macht Spass :D

Aber halb 2 kann die Nacht ja noch nicht vorbei sein. Wir entschliessen uns, in den Fritz-Club zu gehen. Der liegt auf der anderen Seite des Ostbahnhofs. Großartiges Ding. 3 Floors: Rock, Mainstreamquatsch und Elektro. Ich versacke im Rock-Floor. Nicht nur wegen der Musik, auch wegen der Gesellschaft. Alles perfekt. Als ich mich irgendwann entschliesse, eine rauchen zu gehen, merke ich, dass das Licht im Raucherraum nicht künstlich ist. Ich stehe im Hof und es ist taghell. Weil es gegen 6 ist. Na dann. Zeit zu gehen. Aber nicht schlafen, sondern erstmal zu McDonalds im Ostbahnhof. Ich bewundere die Menschen, die da arbeiten, wenn Sonntag morgens um 6 die Bude voller betrunkener Menschen ist, die was essen wollen. Wir haben übrigens noch 2 Damen dabei, die mir zwar nicht gefallen, aber ich hab sie ja auch nicht aufgegabelt.

Ein nerviger Kerl versucht uns zu beleidigen. Eher ungünstig. Als er irgendwann mitbekommt, dass wir 400% mehr sind als er und mindestens 200% aggressiver, wenn er weiter macht, verzieht er sich lieber. Wir hauen auch ab. Müssen ja noch ne Runde schlafen, bevor es gegen 11 Frühstück in der Kneipe gibt. Wir pennen im Auto. Zu dritt. Im Golf. Neben dem Ostbahnhof. Wenn das nicht Rock’n'Roll ist weiß ich auch nicht weiter.

Als wir wieder aufwachen ist es spät genug fürs Frühstück. Ein Buffet am Sonntagmorgen in einer Kneipe? In Berlin kein Problem. Der Typ neben uns hat auch schon seit drittes Weizen vor sich. So sieht er auch aus.

Irgendwann ist es auch für uns vorbei und wir machen uns mit den Instrumenten wieder auf den Weg nach Hause.

Berlin, check. Jetzt ist die restliche Welt dran.

Arztbesuche sind billiger als man denkt…

Filed under: Allgemein,Alltag,Erlebtes — Smikey @ 09:29

Ich war beim Arzt. Also nicht heute oder gestern, aber vorige Woche. Da ich ja seit Wochen mit einer duften Erkältung kämpfe, die aus einem Schnupfen, der sich sehen lassen kann, und einem daraus folgenden leichten Verlust der Hörfähigkeiten, besteht.

Und bevor ich irgendwann jämmerlich an Schweinegrippe oder noch schlimmeren krepiere, bin ich halt mal zum Doc. Das erste mal seit geschlagenen drei Jahren. Da hab ich mir natürlich auch ne Menge Geld gespart. Ausserdem kurier ich mich immer schön mit Tee, Bonbons, heisser Zitrone und Mentholkippen aus. Hat bisher ja auch ganz gut geklappt.

Es war also Montag Morgen und meine Entscheidung stand fest. Heute ist Arzt-Tag. Um 8 macht die Praxis auf. Eigentlich viel zu spät für die arbeitende Bevölkerung, aber ich wohne nunmal auf dem Land.

Ich bin also kurz nach 8 im Wartezimmer. 3 Menschen sind schon da. Sieht ja ganz gut aus. Ich hatte Bedenken hinsichtlich des Wochentages. Immerhin konnten alle einsamen Renter (ich entschuldige mich für diese Pauschalisierung) übers Wochenende mit niemandem reden. Da staut sich schon was an. Und meiner Erfahrung nach lassen sie das Montag Morgen dann den Arzt spüren. 10 Euro pro Quartal für eine Laber-Flatrate mit dem Doc.

War aber nicht so schlimm. Das Wartezimmer füllte sich allerdings trotzdem recht zügig. Und gegen halb Neun schlug dann auch der Arzt an seinem Arbeitsplatz auf. Hat bestimmt noch gemütlich gefrühstückt. Immerhin kann er jetzt arbeiten wie am Fliessband und hat keine störenden Pausen zwischen den Patienten.

Wartezimmer sind ja prinzipell langweilig. Jeder schweigt und allen geht es schlecht. Keine guten Voraussetzungen für jegliche Kommunikation, auch wenn auf dem Dorf eh jeder jeden kennt. Allerdings scheint mich die Schwester nicht mehr zu kennen. Sie fragt mich, ob ich denn schon 18 bin und somit auch meine 10 Euro abdrücken müsste. Bin ich. In 2 Tagen sogar noch 3 Jahre älter. Aber gut. Ich war ja lange nicht da, geb ich zu. Egal, dieses Wartezimmer war jedenfalls alles andere als langweilig. Man erfährt den neuesten Dorf-Tratsch und sieht ziemlich kuriose Gestalten und Situationen.

Zum Beispiel die junge Mutter, die mit ihrer kleinen Tochter ins Wartezimmer kam. Das Kind machte einen recht munteren Eindruck, aber es war wohl krank. Zitat der Mutter: “Herr Doktor, können sie meine Tochter wieder gesundschreiben? Sie will in den Kindergarten und mir geht sie zu Hause auf die Nerven” Kann ich verstehen, klang aber trotzdem lustig.

Auch der nette ältere Herr hatte was zur allgemeinen Belustigung beizutragen. Alle sprachen von der neuen Schweinegrippeimpfung. Er nicht. “Herr Doktor, haben sie auch noch normale Grippe?” – “Ja, natürlich.” – “OK, dann bleib ich mal hier”.

Dann gesellte sich aber trotzdem noch eine Laber-Tante zu uns. Sie sah das zu dem Zeitpunkt mehr als überfüllte Wartezimmer und zog mit den Worten “Och nö, das ist mir zu voll. Ich geh wieder heim.” von dannen.

Schlussendlich taucht ein guter Freund von mir auf. Er fragt mich, was ich denn hier mache. Was mache ich denn hier? Ich pflücke Blumen und erfreue mich an dem Leid andere. Ansich ne gute Idee, aber nein. “Ich bin ein bisschen krank… Und was machst du hier?”, sage ich. Er zeigt mir seine Hand. Verbunden. Mit viel Mullbinde und so. Und blutdurchtränkt. Mit der Säge in die Hand gesägt. Soso. “Auch ein bisschen krank…”, sagt er.

Es war also ne tolle Zeit im Wartezimmer und gemessen an den tollen Dialogen und Szenen, welche ich dort innerhalb einer Stunde erlebt habe, kann ich sagen, dass 10 Euro für diese Vorstellung eigentlich viel zu billig sind. Rettet das Gesundheitssystem und geht mal wieder zum Arzt. Einfach so. Ist wie ne Comedy-Show, nur mit viel mehr Realität. Prima.

Achja. Und meine Diagnose war einfach ein böser Schnupfen. Gottseidank.

BUNT ist toll!

Filed under: Allgemein,Alltag,Externes,Musikalisches — Smikey @ 10:00

“BUNT ist toll!”. Was für eine großartige Idee, was für ein großartiges Motto. Der Herr Luttmann hat diese Aktion ins Leben gerufen um ein Zeichen für mehr Fremdenfreundlichkeit zu setzen.Dagegen sein ist immer so einfach, aber dafür sein lässt alles immer ein bisschen besser erscheinen. Also ist der heutige Artikel kein Artikel gegen Fremdenfeindlichkeit, obwohl das natürlich auch grandios wäre, sondern für mehr Fremdenfreundlichkeit.

bunt-ist-toll

Wir sind hier bei “Nichtsdestotrotz”. Wir sind bei Rock’n'Roll und so. Also schreibe ich über Musik. Leute, was wären wir ohne Musik? Was wären wir ohne Musik aus aller Welt? Was wäre die ganze Musikgeschichte ohne Musik aus aller Welt?

Nix. Musik ohne kulturelle und Einflüsse aus allen Herren Ländern wäre garnichts. Ohne Folklore und Spirituals kein Blues, ohne Blues kein Rock’n'Roll und ohne Rock’n'Roll kein Hardrock, Punk, Metal und so weiter. Und ohne diese ganze Geschichte gäbe es auch diesen Blog nicht. Und das wäre fatal.

Ich habe, seit ich Musik mache, schon viele Musiker aus anderen Ländern kennengelernt. Der so ziemlich erste, mit dem ich was zu tun hatte, war Lord Bishop aus den USA. SexRock und Blues in seiner coolsten Form. Er ist groß, er ist schwarz und er ist die Coolness in Person. Auch er sammelt seine Musiker aus den verschiedensten Ländern. Ein deutscher Schlagzeuger, ein polnischer Bassist. Überall kommen sie her und machen diese Band zu einer der tollsten Blues-Bands die ich kenne.

Die zweite Gruppe von Musikern kommt auch aus den USA. Besser gesagt aus Kalifornien. Und ihr Frontmann ist Programm. BRAY. Mit einer Persönlichkeit, die ein Übermaß an Sympathie und Coolness, sowie einen Tanzstil, der aussieht wie eine Mischung von Michael Jackson und Prince machen seine Show zu einem Erlebnis.

Die letzte Band, die ich hier vorstellen will, weil ich sie schon persönlich getroffen und erlebt hab, kommt von der anderen Seite der Welt. Aus Australien. Es sind “The Vagrants“. Guter Rock mit einer Frontfrau, die zwar immens klein ist, aber trotzdem eine riesige Stimme hat. Als ich sie damals auf die Bühne steigen sah, war ich skeptisch, aber diese rauhe, scheinbar whiskygetränkte Stimme hat mich aus den Socken gehauen. Ausserdem haben sie mich eingeladen, mich in Australien rumzuführen, falls ich mal Down Under bin. Das kann allerdings noch eine Weile dauern.

Diese drei Bands sind so die Highlights, an deren Auftritte und Persönlichkeiten ich mich immer gern erinnere. Sie bereichern mein Leben und beeinflussen meine Musik genauso, wie meine Sicht auf die vielen Dinge der Welt. Und ich möchte das alles auf keinen Fall missen. BUNT ist toll!

Kopf auf Metall

Filed under: Aus eigener Feder,Erlebtes — Smikey @ 08:56

Ich hab letztens irgendwie irgendwo mal was über Schlafwandeln gelesen. Bin ja eigentlich nicht der Typ dafür. Aber ich kann mich leider genau an eine Situation erinnern, in der es mich auch nachts übermannt hat. Mit blutigem Ausgang.

Es muss so vor 8 Jahren gewesen sein. Oder 9. Ich bin mir nicht mehr ganz sicher. Mein Vater war auf Dienstreise und ich verbrachte die Woche zusammen mit meinem Bruder bei unserer Oma. Ich schlief nicht gut. Das Haus, welches ich seit frühester Kindheit kannte, hatte immer diese typischen Haus-Macken. Klappern, Knirschen, Pfeifen… Immerhin ist es ein altes Haus und Wind und so tun ihr übriges dazu, sich da als Kind nicht gerade sicher zu fühlen.

Mein Bruder und ich schliefen gemeinsam in einem Doppelbett. In der ersten Nacht lief alles prima. Einschlafen, aufwachen und zu Schule gehen. Kein Problem. Bin ja schon groß. Aber in der zweiten Nacht passierte die erste Ungereimtheit. Eingeschlafen, aufgewacht. Aber auf der falschen Seite des Bettes. Mein Bruder lag plötzlich links von mir und nicht, wie am Abend vorher, rechts. Ich gebe zu ich war verdutzt, dachte aber nicht weiter darüber nach. Wird schon alles seine Richtigkeit haben.

In der nächsten Nacht lief irgendetwas ganz gehörig schief. Ich weiß nicht warum ich mich so gut an das Schlafwandeln erinnern kann, aber ich kann es. Ich wachte mitten in der Nacht auf. Und aus unerfindlichen Gründen stand ich auf und lief los. Richtung Wand. Einfach so darauf zu. Ohne Ziel und ohne irgendein Ergebnis zu erwarten.

Dann passierte es. Ich stolperte über einen Stuhl und fiel nach vorne. Ich stieß mir den Kopf an der Dachschräge und schlug dann auf der Heizung auf. Nicht, dass die Heizung so eine tolle grillähnliche Abdeckung der zwei Teile hatte. Neheheheee. Es war eine alte Heizung an der die zwei Heizkörperteile gefährlich Spitz nach oben zuliefen. Und ich schlug drauf. Mit der Lippe. Volles Ballett. Tat ganz schön weh, aber im Taumel der Nacht schien mir das nichts auszumachen. Ich legte mich wieder in mein Bett.

Stunden später wachte ich durch ein feuchtes Gefühl an meinem Oberkörper auf. Ich machte das Licht an und sah mich um. Ich sag euch. Ein mafioser Akt von SchweineKopfInBettenLegen macht eine kleinere Sauerei als ich in dieser Nacht. Blutflecken sind gar kein Ausdruck. Mein ganzer Oberkörper war voller Blut und mein Gesicht geschwollen.

Nachdem ich mich in Bad gesäubert hatte konnte ich wieder seelenruhig schlafen. Vielleicht auch auf Grund des Blutmangels im Körper…

Auf jeden Fall scheint sogar mein Unterbewusstsein davon überzeugt worden zu sein, dass Schlafwandeln nicht so die Perfektion für den Sohn meines Vaters ist. Und die Narbe hab ich auch noch. Ich sag immer, ich hab mich geprügelt. Die Wahrheit ist einfach zu peinlich.

Ein ♥ für Blogs

Filed under: Allgemein,Blogroll,Externes — Smikey @ 17:25

Da hat sich der Stylespion mal was tolles ausgedacht. Zum zweiten Mal wird die Aktion “Ein ♥ für Blogs” gestartet. Und diesmal bin ich dabei. Ich gebe zu, beim letzten Mal habe ich es einfach verpennt.
Es geht schlicht und ergreifen darum, mal wirklich richtig tolle Blogs zu empfehlen und sie, so wie es damals(TM) war, zu verlinken.
Besucher hin- und herschieben, bekannter werden und mehr lesen, das ist das, worum es geht. Und das klingt verdammt nach “mitmachen”.

ein-herz-fuer-blogs

Also hier meine Top-Empfehlungen der deutschen Blogs:

  • Die Prinzessin, weil sie einfach so alltäglich toll ist. Auch wenn ihr Hund nicht Mike Glotzkowski heisst.
  • Beetlebum, weil seine Cartoons großartig sind und ich IMMER lachen muss.
  • Pulsiv und sein Neubaublog, weil er witzig, wortgewandt und manchmal ein verbaler Armageddon ist. Allerdings ist er gerade offline.
  • MC Winkel, weil er MC Winkel ist.
  • Amy&Pink, weil jeder Tag seine Titten braucht.
  • Herr Schmidt, weil er lange Haare hat und trotzdem cool ist.

So. Ich hab bestimmt jemanden vergessen, aber das sind so die allerwichtigsten und auf jeden Fall lesenswert. Aber HALLO.

Mängelexemplar – Live und in Farbe

Filed under: Allgemein — Smikey @ 12:47

Gestern ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. OK, ich gebe zu, es war ein recht einfach zu erfüllender Traum im Gegensatz zu Reichtum und Ruhm und PlayboyMansion und so. Aber es war ein Traum.

Denn ich war bei Sarah Kuttner. Auf einer Buchlesung. “Mängelexemplar” heisst der Roman von ihr und er ist großartig. Auch wenn er immer mit “Feuchtgebiete” von der lieben Charlotte Roche verglichen wird. Warum auch immer. Die Bücher haben nämlich mal so garnichts miteinander zu tun. Beide grandios, aber nicht wirklich vergleichbar.

kuttner_autogramm

Die Lesung war im Audimax der Erfurter Uni. Rammelvoll wars und das Publikum unfassbar gemischt. Studenten, Fans, aber auch viele ältere Herrschaften. Nur ca. ein Viertel des Publikums hatte das Buch beziehungsweise das Hörbuch vorher konsumiert und verinnerlicht. Ich schon. Ich kannte die Textstellen, welche die liebenswerte Sarah da vorgetragen hat. Aber ich konnte trotzdem mit Leib und Seele mitlachen, fühlen, denken und tun und so. Einfach ganz großes Tennis.

Die Sahnehäubchen waren natürlich die Zwischenkommentare von ihr… Wir haben herzhaft gelacht über PferdeKopfDecken und Macken von Menschen.

Diese Frau fasziniert mich schon seit Jahren. Ich habe fast alle ihre Sendungen gesehen. Von VIVA über MTV bis hin zur SlamPoetry auf Sat1Comedy. Alles. Nur wegen der Sarah. Toll.

Und nun hab ich sie live gesehen, auf der Bühne, dann am Signiertisch, ca 1m von mir entfernt. Und ich bin immernoch ganz fasziniert von allem. Ihr, dem Buch, ihrer Signierung in meinem Buch und so. Toll.

Die drei von der Tanzfläche

Filed under: Erlebtes — Smikey @ 09:15

Mir ist da ja gerade was passiert. Im Fahrstuhl. Uiuiui.

Aber langsam, die Geschichte fängt eigentlich viel viel früher an. Nämlich irgendwann im letzten Jahr.

Wir hatten damals, wie auch heute noch, einen Auftritt als Vorgruppe der Rambling Stamps. Im Schlachthof in Eisenach. Es war ein tolles Konzert, die Leute waren toll und die Stimmung gut. Auch in der Band war alles vorzüglich. Aber ich glaube ich war krank. Erkältet. Wenn ich es mir recht überlege, ist es schon komisch, dass ich auch heute wieder erkältet bin. Wink des Schicksals oder so.

Auf jeden Fall stand ich während des Auftritts dort oben auf der Bühne und ging dem nach, für das ich bezahlt werde. In der Gegend rumstehen und auf dem Bass rumklimpern. Nebenbei tat ich natürlich das, wofür man diesen ganzen RockMusikKram eigentlich macht. Ich hielt Ausschau. Nach Frauen.

Und ich entdeckte sie. Drei Grazien hatten sich auf meiner Seite der Tanzfläche versammelt und wippten zur Musik. Scheint ihnen zu gefallen. Auch mir haben sie gefallen. Jedenfalls soweit ich das im Dunkeln und im Nebel erkennen konnte.

Der Auftritt war vorbei und wir tingelten durch die Menschen und grinsten unseren Stolz heraus. Und rauchen wollten wir. Also ich. Zufälligerweise standen wir zu diesem Zeitpunkt gerade in der Nähe meiner ins Auge gefassten Mädels. Also haben wir natürlich dort halt gemacht um eine Kippe zu schnorren. Wir habens uns kurz unterhalten und sind dann weiter gezogen. Meine Feststellung, dass eine von denen direkt in mein Beuteschema gesprungen ist, hat sich gefestigt gehabt. Und irgendwie kam sie mir auch seltsam bekannt vor. Aber der Abend ging vorbei und ich war daheim. Allein.

Mein Kumpel wiederrum scheint dieses entsprecende Mädel wenigstens teilweise gekannt zu haben. Mehr als ich auf jeden Fall. Er erzählte mir im Nachhinein, dass sie auch auf die Berufsakademie geht. Daher kannte ich sie also. Sowas aber auch. Irgendwie kam er auf die Idee, sie anzuschreiben und ihr zu verklickern, dass ich sie ja eigentlich recht schnieke fand.

Na prima. Folgender Dialog entstand: “Du, der Bassist fand dich eigentlich recht schnieke/süß/ansehnlich/whatever…” – “Der Bassist? Der war doch höchstens fünfzehn.”

Fünfzehn. FÜNFZEHN. PFÜÜÜMPFZEEEEEHN!

Ich gebe zu, ich war leicht gekränkt. Wochenlang. Ok, es war dunkel und ich bin klein und so. Aber FÜNFZEHN. Das ging nun wirklich zu weit.

Ein paar Tage später sind wir uns in der Berufsakademie begegnet. Ich wusste ja, dass sie auch dort studiert. Aber sie war nach ihrer Aussage nun leicht verdutzt. Hat geguckt wie nen Auto, das Mädel. Verständlicherweise. Ich hab nur gegrinst und bin weiter gegangen.

Diese ganze Geschichte ist nun über ein Jahr her. Und heute seh ich sie durch zufall mal wieder in meiner unmittelbahren Umgebung. Sie und ein paar Kumpels drängeln sich zu uns in den Fahrstuhl. Na prima. Ich habe sie gleich wiedererkannt und wollte schon kurz mal in den Boden sinken. Aber sie ist einfach zu ansehnlich, um einfach abzuhauen.

Aber sie hat mich nicht erkannt. Jedenfalls hat sie es nicht gezeigt. Mich würde interessieren, ob sie sich an die ganze Geschichte noch erinnert. Wer weiß, vielleicht krieg ich es heute Abend raus.

Achja, ich bin ihr übrigens auch auf den Fuß getreten. Aber nur ganz leicht.

Dunkle Vergangenheit

Filed under: Erlebtes,Musikalisches — Smikey @ 11:13

Die Highfield-Erlebnisse und der Herr Schmidt haben mich mal wieder auf meine vergangene musikalische Unzulänglichkeit hingewiesen. Damals wollte ich gute Musik hören und “durfte” nicht. Aus trotz habe ich einen Abstecher in die Abgründe der PopMusik gemacht.

Ich war jung. Damals irgendwann im Frühjahr 1999. Vor über 10 Jahren also. Ich kannte schon VIVA und MTV und da es damals noch nicht an Niveaumangel zu leiden schien, kam da echt noch Musik. Richtige, echte, teilweise handgemachte Musik. Und sie war gut und ich am Fernseher gefesselt. Ein Lied, welches mich nachhaltig beeindruckte war “Why don’t you get a Job?” von The Offspring. Ich fand das damals großartig und bin heute auch immernoch davon überzeugt, dass es das wirklich war und immernoch ist. Vorallem nach dem grandiosen Konzert auf dem diesjährigen Highfield.

Jedenfalls war ich beeindruckt von dieser Musik. Von Punk hatte ich vorher noch nicht viel gehört und auch meine Liebe zu den Ärzten hatte ich damals noch nicht entdeckt. Ich wollte diese CD. Ich BRAUCHTE diese CD. Das “Americana”-Album sollte mein CD-Regal gnadenlos aufwerten und auf eine neue Ebene des musikalischen Ergusses bringen.

Ich war damals mit meinen Eltern das erste mal in einem MediaMarkt. Himmelhergott, ich war 10 Jahre alt. Da hab ich mich lieber in der LEGO-Abteilung rumgetrieben. Ich habe gesucht und gesucht. Überall. Nach “Americana”. Und es nicht gefunden. Meine Eltern hatten Erbarmen mit mir und wir baten einen der Verläufer um Hilfe, die damals irgendwie noch nicht so unambitioniert wie heute waren. Und er konnte uns helfen. Er kannte das Regal für das Album meiner damaligen Träume.

“Steht bei Punk/Hardcore”. Ui. Ich habe die Gesichtszüge meiner Eltern entgleisen sehen. Keine Chance für mich, sie zu überreden. Musik, die unter “Hardcore” eingeordnet wird, kann nicht gut für einen 10jährigen sein. Nicht, dass sie im Allgemeinen was gegen harte Musik gehabt hätten, aber das ging dann doch zu weit.

Also bin ich ohne das Album wieder nach Hause gekommen. Und es hat mich verfolgt. Dieses Album nicht zu besitzen hat meine musikalische Entwicklung um 3-4 Jahre zurückgeworfen. Gnadenlos. Ich laste das niemandem an, am wenigsten meinen Eltern. Es ist einfach eine Tatsache.

Und jetzt folgt ein Geständnis: Ja, ich habe “No Angels”-CDs gekauft und besitze sie noch. Irgendwo, aber sie sind immer da und verfolgen mich. Und ich war auf einem “No Angels”-Konzert. Und ich fand es gut. Es tut mir leid.

Nach meinem Umzug ins Exil 2002 hat sich das ganze zum Glück wieder ändern lassen. Durch meinen Stiefbruder, meinen Vater und Freunde kam ich wieder auf den richtigen, den harten und ehrlichen Weg der Musik. Und nun, 10 Jahre nach dem einschneidenden Erlebnis im Plattenladen habe ich “The Offspring” das erste Mal LIVE und in Farbe gesehen. Auf dem Highfield. Und es war grandios.

Ich bin wieder da. Musikalisch erneuert.

« Vorherige SeiteNächste Seite »